1. Die Stimme im Ohr


    Datum: 31.08.2026, Kategorien: Verführung

    ... Hornbrille langsam, "da müssten wir wohl etwas weiter ausholen..." Oben, auf der Caféterrasse mit Blick auf das Geschehen, saß Professor Doktor Lenz, ein Mann von sechzig Jahren mit silbernem Haar, still wie ein Schachspieler vor dem ersten Zug. In seiner Hand dampfte ein kleiner Espresso. Vor ihm lag ein Notizbuch, das er nicht benutzte. Seine Augen ruhten auf Lina - wie sie stand, sich unterhielt, gelegentlich lachte, mit echter Neugier und gespielter Ahnungslosigkeit.
    
    Er sagte nichts mehr ins Mikrofon. Denn jetzt lief das Experiment von selbst. Angeregt und gespannt lauschte er Linas Worten, die ein wenig dumpf in seine eigenen Kopfhörer übertragen wurden.
    
    Lina stand noch, das Buch halb aufgeschlagen in der Hand, als einer der Herren auf das sandige Tuch neben sich deutete. "Wenn Sie mögen - setzen Sie sich doch. Es gibt keinen besseren Ort für ein Gespräch über Freud als zwischen Sonne und Meer."
    
    Ein Lächeln zuckte über ihr Gesicht. Im Ohr blieb es still; Lenz sagte nichts. Er ließ sie gewähren. Oder besser: Er beobachtete, wie sie selbst das Experiment weiterschrieb. Lina legte ihre Tasche beiseite, dann griff sie nach dem Saum ihres leichten Leinenkleids und zog es über den Kopf. Es war kein Moment der Zurschaustellung, sondern einer der Selbstverständlichkeit - wie man Schuhe abstreift, wenn man Wiese unter den Füßen spüren will. Sie faltete das Kleid sorgsam zusammen, streifte dann ihren Slip ab, bevor sie sich im Schneidersitz niederließ.
    
    Die drei ...
    ... Herren betrachteten die junge Frau interessiert, nicht ungezogen. Alter hatte, so schien es, der Begierde nicht die Flügel gestutzt, wohl aber den Lärm genommen.
    
    Der mit der Hornbrille, der sich zuvor schon zu Wort gemeldet hatte, nickte anerkennend. "Sie erinnern mich an eine Studentin aus Heidelberg, 1968. Auch blond. Auch attraktiv. Auch voller Fragen, die mehr waren als Fragen." Lina sah ihn an, aufrichtig neugierig. "Und? Haben Sie ihr Antworten gegeben?" "Nur wenn sie keine wollte", sagte er mit einem feinen Lächeln. "Wie bei Ihnen. Und noch viel mehr habe ich ihr gegeben und das...wollte sie." Sein Lächeln wurde breiter. Eine schöne Erinnerung, wie es schien.
    
    Sie erwiderte das Lächeln, ließ sich zurücksinken, die Hände im Sand, das Gesicht der Sonne entgegengestreckt. So lag sie entblößt, die vollen, aber noch jugendlich festen Brüste, der flache helle Bauch, der sanfte Flaum über ihrer Scham, die sie nicht zu verbergen versuchte.
    
    "Ich wollte eigentlich nur verstehen, warum sich Menschen entkleiden, um sich frei zu fühlen", sagte sie nach einer Weile. "Aber jetzt... jetzt verstehe ich es beinahe."
    
    "Freiheit", sagte der Herr, dessen dicker Bauch ein wenig sonnenverbrannt war, "ist nichts, was man hat. Es ist etwas, das man wagt." Der Mann mit der Hornbrille schob seine Brille höher. "Es ist der Wind auf der Haut, mein Fräulein. Der Moment, in dem man spürt, dass man nicht mehr darstellt, sondern einfach da ist. Ohne Haltung. Ohne Anspruch."
    
    Lina blickte ins ...