1. Die Galamex-Saga - Teil 01


    Datum: 12.04.2020, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    ... ich sie.
    
    Lieber Cygnus
    
    Auf die Gefahr hin, Dich wieder zu verärgern: Bitte, sieh von dieser verrückten Idee ab. Du bist unser einziger Sohn, unser Ein und Alles. Wir lieben Dich mehr, als es Worte auszudrücken vermögen, und wir hassen den Gedanken daran, dass Du Deine Ausbildung, nein - Dein Leben! - wegwirfst, um einem unmöglichen Traum nachzujagen. Die Kolonien sind ein gefährliches, tödliches Unterfangen. Die Nachrichten berichten jeden Tag über die vielen Toten die die Besiedlung neuer Planeten fordert. Sei doch kein Narr! Als Terraformer könntest Du bei der Flotte Karriere machen. Und wenn die Flotte, wie Du sagst, nichts für Dich ist, dann könntest Du bei einem der grossen Unternehmen anheuern. Alles wäre sicherer statt als unabhängiger Siedler auf irgendeinem Planeten auf eigene Faust das Glück zu suchen! Du bist ein intelligenter, junger Mann. Du bist nicht dumm. Also begehe nicht eine Dummheit!
    
    Wir bitten Dich inständig: Steig nicht in dieses Raumschiff! Wirf Dein Leben nicht weg!
    
    In Liebe
    
    Selina und Giacomo Montichiari
    
    Ich las den Brief nochmals durch, während mich eine Mischung aus Trotz, Trauer, Wut, vielleicht sogar Angst und Verzweiflung zu übermannen drohte. Mein Entschluss die Nachricht nicht vor meiner Abreise zu lesen, war richtig gewesen. Auch wenn sie in schriftlicher Form vorlag, konnte ich die Worte in meinem Kopf in der Stimme meines Vaters hören. Er hatte es schon immer verstanden, die richtigen Worte zu finden, um mich zu ...
    ... manipulieren. Und obschon ich ihn liebte, hasste ich ihn manchmal dafür. Wie oft hatte er mich davon zurückgehalten, Risiken einzugehen?
    
    Ich schüttelte die Gedanken an meine Eltern ab als sich die Schlange wieder einige Meter nach vorne bewegte. Das ComPad verstaute ich wieder in meiner Jackentasche, packte meinen Rucksack und rückte nach. Dann überprüfte ich dessen Inhalt erneut.
    
    *** Ornella ***
    
    Das erste was mir an dem jungen Mann vor mir auffiel, war seine Brille. Eine derart veraltete Sehhilfe kannte ich nur aus dem Geschichtsunterricht. Warum hatte er seine Augen nicht operativ korrigieren lassen?
    
    Das nächste war die Verblüffung in seinem Gesicht. Er blickte mich an, als ob er gerade einen Geist gesehen hätte. Oder einen Engel. Zwar war ich selbstbewusst genug um zu wissen, dass ich mit gutem Aussehen gesegnet worden war - ich erntete oft genug entsprechende Blicke, hauptsächlich von Männern, aber auch von Frauen. Doch der Ausdruck im Gesicht des jungen Mannes grenzte regelrecht an Ehrfurcht, als wäre ich irgendeine mystische Figur, die durch ein Wunder zum Leben erwacht ist. Ehrlich gesagt war mir etwas unwohl dabei. Ich war froh, dass wir durch eine Scheibe getrennt waren.
    
    "Name? Flug?" fragte ich erneut, mit dem professionellsten Lächeln welches ich zustande bringen konnte.
    
    "Äh-ja, äh, Verzeihung. Mein Name ist Cy-Cygnus Montichiari. Ich bin mit dem Flug Delta-Fünfzehn angekommen."
    
    Ich gab seine Daten ein. Kurz darauf erschien sein Dossier auf meinem ...
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