1. Die Galamex-Saga - Teil 01


    Datum: 12.04.2020, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    ... mobile Lampe, einen Allzweck-Kocher, eine Schaufel und eine Axt sowie Proviant für einen Monat. Zusätzlich zur Überlebensausrüstung haben sie noch folgende Gerätschaften erworben: zwanzig Solarpanele zur Stromerzeugung, eine Schubkarre und, äh..." Ich traute meinen Augen nicht und las den Eintrag auf der Liste nochmals durch. "Einen Erzverarbeiter?"
    
    "Meine sprichwörtliche Goldschmiede", antwortete der junge Mann mit einem beinahe verträumten Lächeln. Ich überflog nochmals die Daten betreffend seiner Parzelle. Nicht der geringste Hinweis auf jedwedes Erzvorkommen - wie überall auf dem Planeten. Ich revidierte meine Meinung über ihn erneut: Er war nicht naiv, er war schlicht und ergriffen verrückt.
    
    "Die Ausgabe der Ausrüstung in Crow Town ist gleich neben dem Shuttlehafen", fuhr ich trocken fort. Wie gesagt: Es gehörte nicht zu meinem Job, Neuankömmlingen ihre Dummheit (oder ihren Wahnsinn!) vor Augen zu führen - so sehr es mich innerlich auch schmerzen mochte, dass dieser sympathische, durchaus attraktive junge Mann ins eigene Verderben lief. "Ein Gleiter wird sie und ihre Güter zu ihrem Grundstück befördern. Danach sind sie auf sich gestellt. Haben sie noch Fragen?"
    
    Er zögerte "Nu-nur eine", sagte er, während sein anfänglicher, ehrerbietender Gesichtsausdruck zurückkehrte. "Wü-würden sie es in Betracht ziehen, mi-mit mir, äh, Mittag zu essen?"
    
    *** Cygnus ***
    
    Ich konnte mein Glück nicht fassen. Unwillkürlich fragte ich mich, ob ich mich vielleicht noch im ...
    ... Cryoschlaf befand und dies alles nur ein Traum war. Auch wenn ich es besser wusste, da sich der künstlich induzierte Langzeitschlaf wesentlich von normalem Schlaf unterschied, einschliesslich der Tatsache, dass der Cryoschlaf aufgrund der mangelnden neuronalen Aktivität keine Träume zuliess, kamen mir die aktuellen Zustände absolut surreal vor.
    
    Ich erinnerte mich noch gut an einen Artikel über Doppelgänger den ich mal gelesen hatte. Angeblich lebten zu jedem Zeitpunkt sieben Menschen irgendwo in der Milchstrasse, die einem zum Verwechseln ähnlich sahen. Über eine solche Ähnlichkeit in historischem Kontext sagte der Artikel jedoch nichts aus. Und doch sah die Frau vor mir genauso aus wie jene auf dem vierhundertjährigen Poster. Das ich bei meinem Abenteuer ausgerechnet einer Doppelgängerin der Schauspielerin aus dem zwanzigsten Jahrhundert über den Weg gelaufen war, war ein höchst eigenartiger, absolut unwahrscheinlicher Zufall. Ich glaubte nicht an Schicksal, aber ich war dennoch bereit, es zumindest als gutes Omen anzusehen.
    
    "Ich glaube nicht, dass dies angebracht wäre", antwortete sie etwas verlegen. "Zudem endet meine Schicht erst in fünf Stunden. Bis dahin sind sie längst auf der Oberfläche."
    
    "Da-dann vielleicht, äh, vielleicht ein anderes mal?"
    
    Ihr Blick wurde etwas sanfter, vielleicht war darin sogar etwas Mitleid. Auf gewisse Weise empfand ich letzteres als verletzender als die Rückweisung meiner Einladung zum Essen. In diesem Augenblick erinnerte sie mich an ...
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