1. Das Internat


    Datum: 03.07.2021, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    ... Gerichtsverhandlungen gehen schon ein dreiviertel Jahr, das gesamte Kollegium wurde angeklagt.
    
    Der Prinzipal war unauffindbar. Die Leute meinten, er sei schon lange tot. Wii war der wichtigste Zeuge, er wurde lange verhört und konnte vieles anhand seiner Aufzeichnungen dokumentieren. Die Staatsanwaltschaft hat es auf mich abgesehen. Sibille war tot und ich war die treibende Kraft, ich war der, der die Frauen missbraucht hat. Ich nehme alles nur dumpf wahr. Kann nicht begreifen.
    
    „Jana K., 21 Jahre, von den Eltern ans Internat übergeben, da sie eine Heirat nicht zustimmte.
    
    Monique Z., 23 Jahre, sie riss von Zuhause aus.
    
    Indra von W., 20 Jahre, hatte eine Affäre mit einem Küchenjungen.
    
    Lena D., 21 Jahre, weigerte sich den Wünschen der Eltern zu folgen und sollte für das diplomatische Parkett vorbereitet werden.
    
    Veronika L., 24 Jahre, wurde nach Drogenentzug auf das Internat gesteckt.
    
    Hannah E., 22 Jahre, wurde von ihrer Freundin getrennt um hier „umerzogen" zu werden.
    
    Judit T., 23 Jahre, hatte die Eltern beklaut und landete so im Internat.
    
    Verena A., 21 Jahre, ist -- man glaubt es kaum -- einem Scheich versprochen und soll auf dem Internat vorbereitet werden.
    
    Sabine D., 20 Jahre, wurde vom „Freund" auf dem Strich geschickt und wurde von der Familie anschließend auf das Internat geschickt.
    
    Flora H., 24 Jahre, nach Scheidung der Eltern von einem Internat auf das nächste geschickt.
    
    Jennie B., 20 Jahre, machte es der Mutter nach und verfiel dem ...
    ... Alkohol. Als Alternative zur Entzugstherapie ins Internat gesteckt.
    
    Tira R., 22 Jahre, hatte Affären mit älteren Männern, wurde deshalb auf das Internat geschickt.
    
    Michelle J., 19 Jahre, aufgenommen im Internat, weil sie irgendwann an der Küste aufgefunden wurde, Eltern unbekannt."
    
    Der Richter schaut mich an. „Und sie, Herr Lars Scharting, haben sich nichts dabei gedacht, als sie ihre Schutzbefohlenen missbrauchten? Haben sie sich überhaupt für die Menschen interessiert?" Er wartet auf eine Antwort. Ich kann nicht. Habe ich nicht? Aber das stimmt doch nicht. Oder doch? Meine Gedanken sind leer. Und voll zur gleichen Zeit. Den Rest der Verhandlung erlebe ich nicht mehr richtig bewusst. Dazu ist die Sache einfach zu erdrückend.
    
    Ich liege auf der Pritsche in meiner Zelle. Natürlich bin ich verurteilt worden. Ab und an bekomme ich psychologische Betreuung. Es ist kein gutes Leben hier, die anderen Mithäftlinge wissen von dem Vorfall. Den ich mir immer noch nicht erklären kann. Natürlich blieb alles an mir hängen. Zwar wurde der Rest des Kollegiums verurteilt, ist aber mit relativ harmlosen Strafen davongekommen. Hannah, die den Mord vollzogen hatte, ist nun in der Psychiatrie.
    
    Sie redet ständig nur noch von Dämonen. Ich hatte es irgendwann aufgegeben, und der Richter hatte sicher recht. Es gibt keine Dämonen. Das muss etwas anderes gewesen sein. Auch ist das Buch, der Almanach verschwunden. Ebenso wenig wurde das Zimmer des Prinzipals gefunden. Und dieser war schon ...