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Polyamorie 04 - Kapitel 01+02
Datum: 29.07.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... Hirn die Bruchstücke zusammensetzte. „Ich fahre nicht ins Krankenhaus!", rief ich und setzte mich wieder auf. Diesmal konnte mich der Sanitäter nicht zurück auf die Trage drücken. Ich erklärte ihm, dass ich nicht ins Krankenhaus wollte. Ich musste mich um meine Frauen kümmern, um Marie und -- Julia. Mit wackligen Beinen stieg ich aus dem Krankenwagen. Lena stützte und fing mich auf, als ich einen Fehltritt machte. „Wo ist sie?", fragte ich und hielt ihr mein gesundes Ohr hin. „Sie wird gerade in den Leichenwagen geschoben", sagte Lena und zeigte auf einen schwarzen Kombi, aus dem ein Metallsarg ragte. Ich ging zu dem Wagen und redete mit dem Bestatter. Ich wollte sie sehen! Er öffnete den Deckel und ... da lag sie, fast als ob sie schlafen würde -- wäre der Blutfleck nicht auf ihrer Brust. Ich beugte mich zu ihr und gab ihr einen letzten Kuss. „Ich werde auf unsere Kleine aufpassen, das verspreche ich dir." Dann schob der Bestatter den Deckel auf den Sarg und schloss die Heckklappe. Er drückte mir eine Visitenkarte in die Hand, stieg ein und fuhr davon. Lena, Lisa, Yasi, Marie und ich standen stumm da und schauten heulend dem Wagen mit unserer ermordeten Frau, Geliebten, Mutter -- Julia, hinterher. Ein Polizist wollte mit uns den Vorfall durchsprechen. Wir sollten mit ihm auf das Polizeirevier fahren. Ein weiterer Polizeiwagen stand hinter dem ersten. Wir sollten uns auf die Wagen aufteilen. Die Frauen setzten sich alle in den ersten Wagen, ich ...
... ging zu dem dahinter und sah den Mörder in Handschellen darinsitzen. Ich sagte dem Cop, dass ich in den Wagen nicht einsteigen würde. Er zeigte Verständnis und winkte ein Taxi, das mich zum Revier fuhr. Auf dem Revier wurde von uns allen die Aussage aufgenommen. Wie sich herausstellte, hatte Marie den Mord sogar gefilmt. Ihr Handy hatte alles aufgenommen. Der Fall war klar. Hinterher wurden für uns zwei Taxen zum Hotel gerufen. Alles war so unwirklich. Ich fühlte mich wie in einem Albtraum. Im Taxi nahm ich Marie fest in den Arm. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich konnte sie nicht trösten. In mir stieg Wut auf. Hätte ich den Mörder doch nur früher umgerissen oder mich schützend vor Lena gestellt. Ich hätte ... Ich hätte ... Was hätte ich tun können? Alles ging so schnell. Vielleicht hätte der Schuss dann mich getroffen, oder Lena, oder Yasi oder ... Er traf Julia. Sie war tot! *** Im Hotel angekommen, sahen wir wieder einmal Leon an der Rezeption stehen. Er bemerkte uns nicht. Die Frauen gingen direkt zum Fahrstuhl. Ich wollte unbemerkt die Key-Card für unsere Suite abholen, um auch schnell hinauf zu kommen. Leon entdeckte mich. Typisch amerikanisch fing er einen Smalltalk an: „Hi Frank. Ist das nicht ein schöner Abend?" Als ich nicht sofort antwortete, merkte er, dass etwas nicht stimmte. Ich sah ihn mit brennenden Augen an. In dem Moment konnte ich nicht mal mehr freundlich zurückgrüßen. ‚Schöner Abend? Wohl eher der schrecklichste Abend seit ...