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Polyamorie 04 - Kapitel 01+02
Datum: 29.07.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... angeschossen hatte. Dann sah ich es. Julia lag auf dem Boden, Marie kniete hinter ihr und hielt ihren Kopf. „Was ist passiert?", hörte ich mich selber mit einer dumpfen Stimme sprechen. Ein Polizist drängte sich an mir vorbei und drehte den Mann am Boden auf den Bauch, um ihm Handschellen anzulegen. Ich sah wieder zu Julia. Sie hatte einen roten Blutfleck auf der Brust. Ihr Gesicht war ganz blass, sie bewegte die Lippen, aber ich konnte nicht hören, was sie sagte. Ich kniete mich neben sie und griff nach ihrer Hand. Sie sah mich an, ihre Lippen bewegten sich. Ich hielt mein Ohr dicht an ihren Mund. Leise, wie aus weiter Entfernung hörte ich: „... re dich um Marie. Sie ... aucht deine Hilfe." Ich sah sie wieder an und merkte, wie ihr Griff um meine Hand schwächer wurde. Ein Sanitäter kam dazu. Er schob Marie und mich zur Seite. Ich stand auf und fühlte eine Hand nach meiner greifen. Es war Lena, sie hatte Tränen in den Augen. Als der Arzt bei Julia ein Beatmungsgerät ansetzte und versuchte, sie mit einer Herzmassage wiederzubeleben, bekam ich plötzlich weiche Knie. Übelkeit stieg in mir auf. Marie stand hinter Julia. Sie wurde von Lisa im Arm zurückgehalten. Ein weiterer Notarzt kam hinzu. Er hatte einen tragbaren Defibrillator dabei. Das Gerät lud auf und er schockte Julias reglosen Körper. Er lud ein weiteres Mal und schockte erneut. Ihr Körper bog sich. Der andere Arzt kontrollierte ihren Puls, dann sah er uns kopfschüttelnd an. Marie stürzte ...
... sich auf Julia und schrie: „NEIN!!! Juls, lass mich nicht allein! BITTE NICHT!" Sie musste es so laut geschrien haben, dass selbst ich es durch das Pfeifen im Ohr vernahm. Alles schien wie in einem unwirklichen Traum, verschwommen, undeutlich, wie durch Nebel. Lisa kniete sich neben Marie und versuchte, sie von Julia wegzuziehen. Lena und Yasi sah ich neben mir. Sie hielten sich ebenfalls in den Armen. Um mich drehte sich alles, meine Knie sackten weg und ich fiel auf den Bürgersteig ... *** Ein hoher Pfeifton weckte mich. Ich hörte Stimmengemurmel. Erkannte keinen Sinn darin. „... tear in the eardrum ..." Ich blinzelte. Ein schemenhaftes Licht und eine in rot und weiß gekleidete Person stand mit dem Rücken zu mir. Ich sah mich um. Ein kleiner Raum, ich lag in einem Krankenwagen. Auf meinem linken Ohr hörte ich nur gedämpfte Geräusche, rechts schien alles normal. Mit der Hand ertastete ich ein großes Pflaster mit einer Gaze darunter. Irgendetwas war nicht in Ordnung. Plötzlich fiel es mir wieder ein. „Julia! Was ist mit Julia?", fragte ich und setzte mich auf. Der Notarzt drehte sich zu mir. Beruhigend sanft drückte er mich auf die Trage zurück. Ich sah Lena vor der geöffneten Wagentür. Sie hatte verheulten Augen. Dann sagte sie zu mir: „Julia ist tot! Sie wurde erschossen. Frank, du hast ein Riss im Trommelfell, die wollen dich ins Krankenhaus mitnehmen. Was sollen wir denn jetzt machen?" Julia ist tot?! Erschossen? Was machen? Es dauerte, bis mein ...