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Polyamorie 04 - Kapitel 01+02
Datum: 29.07.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... langen!' Leon sah meine verheulten Augen und bemerkte auch den Verband am Ohr. „Was ist passiert? Kann ich helfen?", fragte er besorgt nach. „Da kannst selbst du nicht helfen, es sei denn, du kannst sie wieder lebendig machen!" Ich nahm die gereichte Schlüsselkarte entgegen und ließ Leon Mask einfach stehen. In der Suite sank ich kraftlos auf das Sofa und blickte ins Leere. Alle anderen saßen irgendwo verstreut und geschockt vom Vorfall. Ich erinnere mich nicht mehr, wer wo saß. Ich war vollkommen leer. Mein Körper fühlte sich taub an. Wo eben noch Trauer oder Wut meine Gefühle beherrschten, war jetzt ... Nichts! Vor ein paar Stunden saßen wir noch fröhlich an dem Tisch da drüben und erzählten und planten unsere Zukunft. Alles war jetzt unwichtig. Es hatte keine Bedeutung mehr. Julia, die ich gerade anfing so zu lieben wie Lena, Lisa und Yasi und auch ... Marie ... „Wo ist Marie?", fragte ich leise. Ich schaute mich um und sah sie nirgends. Hatten wir sie verloren? Sie saß doch noch eben neben mir im Taxi. „WO IST MARIE?", schrie ich, weil keiner reagierte. „Ich glaube, sie ist ins Schlafzimmer gegangen", antwortete Lisa, die sich auf einem Sessel zusammen mit Lena tröstete. Ich stand auf und ging kraftlos zur Schlafzimmertür. Sie war angelehnt. Ich öffnete sie weiter und schaute in die leeren Betten. „Marie?", fragte ich in das Zimmer. Nichts, kein Laut. Oder hatte ich nur nichts gehört, weil mein Gehör noch nicht wieder in Ordnung war? Ich ...
... ging hinein und sah neben das Bett am Fenster. Marie war auch nicht hier, doch zwischen den Betten fand ich ihre Sachen. Als ich weiter zum anderen Bett schaute, sah ich darunter zwei angewinkelte Knie hervorragen. Ich ging herum und beugte mich herunter. Marie lag darunter, sie hatte sich nackt ausgezogen und wie ein Embryo zusammengerollt. „Marie?", versuchte ich es erneut. „Komm da bitte raus." Sie reagierte nicht. Ich bemerkte ihre Kopfhörer in den Ohren. Sie hörte Musik. Ich griff ihr Handgelenk und zog leicht daran, damit sie unter dem Bett hervorkam. Sie drehte das Handgelenk und befreite sich aus meinem Griff. Ich überlegte, was ich machen sollte. Vor meinem geistigen Auge sah ich Julia, die ihre Lippen bewegte und wieder zu mir sagte:„Kümmere dich um Marie. Sie braucht deine Hilfe." Ich legte mich neben Marie und wollte sie in die Arme nehmen. Sie zog einen Ohrhörer heraus und hielt ihn mir an mein gutes Ohr. Ich hörte einen Rocksong. Er kam mir bekannt vor, darum steckte ich den Hörer rein und lauschte mit ihr. Dann erkannte ich den Song. Sie hörte‚Bring me to Life' vonEvanescence. Obwohl keine Träne zu sehen war, wusste ich, dass Maries Augen vom Heulen so rot waren. Ich schob meinen Arm unter ihren Kopf und lauschte mit ihr zusammen. Sie dachte bestimmt auch an Julia, so wie ich. Mir erschienen Bilder von ihr, wie sie mich glücklich umarmte, nachdem ich ihr einen anderen, gemeinsamen Lebensweg aufzeigte und Momente, in denen wir Spaß im Bett hatten. ...