1. Polyamorie 04 - Kapitel 01+02


    Datum: 29.07.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... Zwischendurch blitzen immer wieder Bilder ihres Todes auf. Der Schuss, ihren Blutfleck auf der Brust, und ihre Lippen, als sie mir ihren letzten Wunsch sagte:„Kümmere dich um Marie." In meinem Kopf klang es nun deutlicher als in dem Moment ihres Todes.
    
    Der Song wechselte. Marie sah mich bei den ersten Takten an.‚My Immortal'. Plötzlich stiegen nicht nur bei ihr die Tränen auf, auch ich musste schwer atmen. Wie sollte ich jemanden Trost spenden, wenn ich selber Trost brauchte?
    
    Maries Körper fühlte sich eiskalt an, sie fröstelte und schüttelte sich.
    
    „Komm raus da Marie", versuchte ich es erneut. Sie rückte dichter an mich heran, war aber immer noch nicht ganz unter dem Bett hervorgekrochen. Zumindest konnte ich meine Arme um sie legen und unter dem Bett hervorziehen. Ich hob sie auf und legte mich mit ihr auf das Bett. Sofort deckte ich Marie zu und wärmte sie mit meinem Körper. Hoffentlich hat sie sich nicht erkältet.„Kümmere dich um Marie. Sie braucht deine Hilfe."
    
    Ich versagte schon wieder!
    
    Nein, ich werde nicht versagen!
    
    „Lisa!" rief ich.
    
    Die Tür ging auf, meine Tochter trat wortlos ins Zimmer. „Kannst du bitte für uns alle Tee machen. Marie ist eiskalt. Sie holt sich noch den To...", da erkannte ich, was ich fast gesagt hätte und schaute auf Marie herunter. Wollte sie sich umbringen oder war es eine Art der Selbstkasteiung? Was ging in dem Mädchen vor?
    
    Lisa ging wieder hinaus. Ich zog Marie eng an mich. Ich musste ihr Wärme geben.
    
    Als Lisa mit ...
    ... zwei Tassen Tee wieder zurückkam, reichte ich Marie eine davon und hoffte, sie würde trinken. Sie reagierte nicht darauf, blickte starr geradeaus. „Marie, trink das bitte!", forderte ich energisch.
    
    „NEIN!", schrie sie und schlug die Decke dabei zurück, so dass sie wieder nackt in der kühlen Luft lag.
    
    „Marie, deck dich zu, du erkältest dich sonst noch!", schimpfte ich aufgebracht und wollte die Zudecke über sie ausbreiten. Sie strampelte wie ein kleines Kind, bis die Decke vom Bett rutschte. Sie sah mich wütend an.
    
    „Juls liegt auch in einem kalten Raum. Die Sklavin darf nicht im Warmen sein, wenn ihre Herrin friert!", protestierte sie und zitierte es nochmal, leiser, wie ein Mantra.
    
    Ich stellte die Tasse ab und griff sie an die Schultern. „Marie, du bist keine Sklavin mehr. Juls hat dich freigegeben." Sie presste die Lippen aufeinander. Ich schüttelte sie. „Hör' auf damit! Du sollst aufhören! Hörst du mich! Sie ist tot, tot TOT, TOT ... tot!"
    
    Marie brach in Tränen aus. Ich riss sie an mich.Meine arme kleine Marie, wie konnte ich das nur geschehen lassen?
    
    Lisa stand noch immer neben uns und kämpfte auch mit den Tränen. Sie schluchzte und biss sich auf die Unterlippe. Sie hob die Decke vom Boden und breitete sie über Marie und mich aus.
    
    „Lisa, stelle bitte die Klimaanlage höher. Hier ist es eiskalt."
    
    Beim Hinausgehen drehte sie an der Regelung und schloss die Tür. Ich steckte mir den Kopfhörer wieder ins Ohr, trank einen Schluck Tee. Dann versuchte ich, ...
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