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Polyamorie 04 - Kapitel 01+02
Datum: 29.07.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... anhielt und stärker musste es auch sein. Nicht mehr ganz so unsicher schlich ich in das große Schlafzimmer und entdeckte Lisa, Lena und Yasi in Schlaf-Shirts friedlich im Bett liegen. Vor dem Bett kniend, fragte ich Lisa im Flüsterton: „Lisa, hast du ein paar Kopfschmerztabletten für mich?" Lisa schreckte hoch und sah mich verschlafen an: „Papa? Was ist los?" Wahrscheinlich hatte ich die Frage doch lauter gestellt, als mir bewusst war, trotzdem wiederholte ich es. Lisa stand auf, um mir Tabletten aus ihrem Kulturbeutel zu geben. Wir gingen dazu in das andere Schlafzimmer, in dem Marie hoffentlich noch zugedeckt lag. Lisas Shirt war viel zu kurz, ihr reizvoller Po blitzte bei jedem Schritt hervor. Schmal und knackig, wie ich ihn liebte. Seltsamerweise war mir gar nicht nach derartigen Gelüsten. In meiner Hose rührte sich nichts. Die Kopfschmerzen und die körperliche Taubheit, die mich beim kleinsten Gedanken an die Tragödie des Vorabends überfiel, waren sicherlich mitverantwortlich dafür. „Wie spät ist es eigentlich?", fragte ich Lisa nebenbei. „Ich glaube kurz nach fünf. Wir müssten bald aufstehen, wenn wir heute nach Deutschland zurückfliegen." „Ich glaube nicht, dass wir das können. Wir müssen hier noch einiges erledigen. Ich weiß nur nicht genau, was alles auf uns zukommt. Die Überführung von Julia bestimmt, vielleicht müssen wir doch noch irgendwelche Aussagen machen. Ich weiß nicht. Ich werde lieber den Rückflug für euch stornieren oder wenn es geht, ...
... umbuchen." „Hier sind die Tabletten." „Mmh", ich schluckte zwei Aspirin und trank den kalten Tee dazu, den Lisa vor Stunden gebracht hatte. „Marie bereitet mir Sorgen", gestand ich. Lisa sah mich an und nickte verständnisvoll. „Sie hat ein schlimmeres Trauma als Yasi. Ich glaube, Marie zerbricht daran, wenn wir ihr nicht helfen. Julia hat mich angesehen und ihre letzten Worte waren: Ich solle mich um Marie kümmern, sie braucht meine Hilfe." Ich setzte mich auf das Bett und fing an zu schluchzen. „Sie will sich aber nicht helfen lassen. Sie ist so stur. Ich kann es selber noch nicht begreifen, was da passiert ist und ihr braucht eigentlich auch alle Hilfe. Wir sollten einen Psychologen hinzuziehen. Was glaubst du, Lisa?" „Das könnte hilfreich sein. Aber dazu sollten wir erst in Deutschland sein. Ich will so schnell wie möglich von hier weg. Alles erinnert mich an Julia. Ich denke immer, sie kommt jeden Moment um die Ecke. Und alles war nur ein böser Traum. Dann rieche ich ihr Parfüm, jedes Mal, wenn ich in dieses Zimmer komme. Papa, lass uns nach Hause fliegen!" Lisa stand vor mir mit ihrem kurzen Shirt und drückte meinen Kopf an ihren Bauch. Ich legte meine Hände an ihren Rücken, hielt mich bei ihr fest. Plötzlich blitzten wieder die Bilder auf, diesmal flog die Kugel an Julia an vorbei und ... O. Gott. Was wäre, wenn der Schuss Julia verfehlt hätte und stattdessen Lisa getroffen hätte? Ich drückte meine Tochter an mich. Schüttelte meinen Kopf. Ich wollte mir nicht ...