1. Polyamorie 04 - Kapitel 01+02


    Datum: 29.07.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... Orten ohne was richtig zu sehen. Der wusste hinterher gar nicht mehr, wo welches Foto entstanden ist."
    
    „Stimmt, so was will ich auch nicht", stimmte ihr Lena zu. „Ich will was davon haben. Ganz oder gar nicht!" Sie drückte meine Hand und blinzelte mir zu. Ich verstand sie genau. So war Lena nun mal. Schon bei unserer ersten Begegnung unter der Dusche wusste sie, was sie wollte.
    
    An einer Ampel mussten wir stehen bleiben und warten. Plötzlich schrie uns ein Mann von der Seite an. Ich verstand nicht, was er wollte, doch ich erkannte sofort einen Revolver in seiner Hand. Er zielte damit auf Lena.
    
    Mein Herz raste, mein Körper wurde mit Adrenalin vollgepumpt. Ich hörte nur ein paar Wortfetzen: „Bitch! Kneel down! Fucking bitch! Suck my dick!"
    
    Wir alle waren wie gelähmt. Ich erkannte ihn erst jetzt. Es war der gleiche Mann, der uns vor ein paar Tagen schon einmal angegriffen hatte. Dem wir noch rechtzeitig entkommen konnten. Er wollte sich an uns rächen, weil er von der Security des Hotels verprügelt wurde.
    
    In Lenas Augen blitzte Panik auf. Kein Wunder, sie schaute in den Lauf der Waffe. Die Szene wurde von anderen Passanten gesehen, doch alle versuchten sich selber in Sicherheit zu bringen. Ich musste eingreifen, irgendetwas sagen, damit die Aufmerksamkeit auf mich lenken. „Hey you! Stop! What do you want?" Er sah kurz zu mir rüber, hielt den Revolver aber weiter auf Lena gerichtet.
    
    „Shut up, fucker!", keifte er mich an. Er würde Lena bestimmt etwas antun, ...
    ... wenn nicht jemand eingreifen würde.
    
    Dicht hinter uns waren die anderen herangerückt. Sie hatten nicht das Weite gesucht. Yasi schob sich langsam neben Lena und hielt ihren Blick starr auf den Mann gerichtet.
    
    Der Typ machte einen Schritt zur Seite und deutete nun im Wechsel auf Yasi und Lena. „Kneel down! You're next, fucking bitch!", schrie er Yasi an. Er stand direkt vor mir, knapp zwei Meter entfernt. Ich überlegte, was ich tun könnte. Was nutzte mir mein Kampfsport gegen eine Pistole. Mit einer Hand fummelte er an seine Hose, er wollte sie tatsächlich öffnen. In dem Moment ertönte eine Polizeisirene. Jemand musste wohl doch Hilfe gerufen haben. Der Mann erschreckte sich und drehte sich mit dem Revolver in meine Richtung. Ich sprang nach vorne und verpasste ihm einen Aufwärtstritt unter das Kinn. Gleichzeitig bemerkte ich einen Schatten neben mir. Von rechts schoss Yasi mit einem harten Schlag an seine Schläfe heran. Ein Knall raubte mir die Orientierung. Ich taumelte und fiel nach hinten. Ich hörte nur noch ein lautes Piepen in meinen Ohren. In der Absicht, dem Angreifer die Waffe aus der Hand zu entwenden, sprang ich auf ihm. Da erkannte ich, dass der Typ bereits regungslos auf dem Boden lag.
    
    Im Aufstehen kickte ich die Waffe fort und drehte mich, um nach den anderen zu sehen. Yasi stand neben mir und hielt sich die Hand vor dem Mund. Hatte er sie verletzt? Ich folgte ihren Blick auf den Boden hinter mir gerichtet. Lena kniete da. Ich befürchtete, dass er sie ...
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