1. Die Babysitterin


    Datum: 30.07.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen,

    ... nicht darum, dass du zweitrangig wärst, sondern dass Johanna meinem Leben eine gewisse Struktur aufzwingt und daran kann ich nichts ändern. Geregelte Tagesabläufe, mindestens drei Mahlzeiten, manchmal eher fünf, Abendrituale und so weiter. Das kennst du ja. Dies alles bedeutet viel Haushaltsarbeit und eingeschränkte Flexibilität was spontane Programme angeht. Daraus folgt, dass sich etwaige weitere Hausbewohner oder Bewohnerinnen bitte an der Arbeit beteiligen und sich an den Tagesablauf halten. Ich weiß, dass sich dies wie eine Bedingung anhört..."
    
    Lene holte Luft, um etwas zu sagen, doch ich hob meine Hand als Zeichen dafür, dass ich noch nicht fertig war.
    
    „... und ich weiß auch, dass in dem Moment, wo ich diesen Wunsch ausspreche, du ihn akzeptieren würdest."
    
    Lene lächelte erleichtert.
    
    „Es musste nur gesagt werden, weil es bislang nicht der Fall war. Vielleicht war es mein Fehler, vielleicht hätte ich meine Erwartungshaltung klar formulieren sollen. Also, meine Dame, jetzt im Klartext: Hilf mit und akzeptiere unseren Tagesablauf!"
    
    Damit zielte ich auf die vielen verschlafenen Frühstücke, die in die Länge gezogenen Einkaufstouren mit anschließend verpassten Abendessen und die Tatsache, dass sich ihr Biorhythmus oft verschob, sodass ich zeitweise den Eindruck hatte, ihre Uhr würde nach der New Yorker Zeitzone ticken.
    
    Lene verstand mich genau und zeigte durch Salutieren ihr Einverständnis.
    
    „Das war Ding Nummer eins. Das zweite ist wesentlich ...
    ... schwieriger."
    
    Ein großer Schluck Wein meinerseits unterstrich das Gewicht dieses „Dinges".
    
    „Ich muss ausholen. Ich war bislang der Auffassung, dass man in einer Beziehung nicht allzu viel über Sex reden sollte. Man muss machen, ausprobieren und dabei den Partner und seine Körpersprache beobachten. Man kann vielleicht ein bisschen neue Ideen besprechen oder so, aber die mehrheitliche Kommunikation geschieht während dem Sex und nicht davor oder danach. Ich dachte, das würde auch bei dir funktionieren. Aber du bist zu speziell, zu besonders, zu komplex. Immer wenn ich meinte, dich zu verstehen, bekam ich eine virtuelle Ohrfeige. Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück. Dann begriff ich, oder vielleicht bilde ich es mir nur ein, dass deine Sexualität mehrschichtig ist, es gibt eigentlich zwei Lene-Sexualitäten. Es gibt das Lene-Mädchen und es gibt die Lene-Frau. Ich habe das Gefühl, dass sich diese zwei andauernd in die Quere kommen, sich bekriegen, sich überschlagen, obwohl sie eigentlich auch nebeneinander existieren könnten, ja sogar sollten. Die Lene-Frau hat das Normale inne, den alltäglichen Sex eben. Das Lene-Mädchen ist die Lolita, sie will väterliche Liebe und Strenge. Erzähl mir von diesem Lene-Mädchen. Erzähl mir alles! Ich möchte dich besser verstehen!"
    
    Lange Augenblicke vergingen mit innigem Blickkontakt. Wenn tief in die eigene Seele abgetaucht werden musste, um die eigenen Motive zu finden, dann war das nicht leicht. Sie brauchte Zeit. Doch schließlich holte sie tief ...
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