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Rehabilitationsmaßnahmen 02
Datum: 07.09.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... Firma ihres Mannes einsteigen wollte und seit heute ist sie weg." Ich war wie erschlagen und gegen meinen Willen stiegen mir Tränen in die Augen. "Na, na, nehmen Sie es nicht so schwer, ihr geht es sicher gut. Und die Buchbesprechung können Sie auch mit mir machen. Das kriegen wir bestimmt hin." Den Ausdruck "Blöde Kuh!" konnte ich gerade noch unterdrücken. Obwohl, wie eine Kuh sah sie ja nicht gerade aus. Frau Dr. Klinikchefin war ziemlich attraktiv. Sie war nicht sehr groß, schlank, mit langem dunklen Haar und nicht einmal schlecht gebaut. In normalen Zeiten hätte ich ihr bestimmt hinterher geschaut, aber die Zeiten waren eben nicht normal. Und sie war keine Devi, nicht die Bohne. Ich konnte ihre Blicke in meinem Rücken regelrecht spüren, als ich zum Trainingsraum schlich. Der Tag war mir gründlich versaut. Beim Mittagessen stocherte ich lustlos in meinem Salat herum und die Blumenkohlcreme-Suppe zwang ich nur in mich hinein, damit ich überhaupt etwas Warmes im Magen hatte. Gott sei Dank war Susanne schon weg und Elena kam erst viel später, so dass ich Arne mein Herz ausschütten konnte. Er konnte mir zwar auch nicht weiterhelfen, hatte aber Verständnis für meine Situation. Als kleines Trostpflaster machen wir wieder für den Samstag einen kleinen Einkaufsbummel aus. Ich kam mir langsam vor wie eine Frau, die aus lauter Frust zum Schoppen geht, um das Ganze zu kompensieren. Das Schreiben fiel mir an diesem Tag nicht leicht. * * * Samstag, ...
... 24.Juni 2023 Ein Schock im positiven Sinne beim Wiegen. Ich hatte an einem Tag 900g verloren, sagte zumindest die Waage. Gut für meine Gesundheit, aber der Grund dafür stimmte mich nicht positiv. War das vielleicht Liebeskummer? Gekränkte Eitelkeit auf jeden Fall. Sie konnte doch nicht so sang- und klanglos verschwinden, ohne sich wenigstens von mir zu verabschieden. Ganz so gleichgültig waren wir uns doch nicht gewesen. Diesmal hatte ich schon beim Frühstück meinen Rucksack dabei und Arne wollte seinen Rollator mitnehmen, damit er alles leichter unterbringen konnte und sich beim Gehen nicht so schwer tat. Ich holte mir wieder 2l Saft und für unsere Damen am Tisch frische Brezen. Das konnte ich alles bequem in meinem Rucksack verstauen, während Arne seinen Rollator vollpackte, als stünde eine Hungersnot bevor. Er war aber auch durch seine Krankheit und den Herzinfarkt ordentlich abgemagert. Und als Ballastgewicht noch zwei Sixpack Hopfenkaltschale, weil immer nur Tee, Kaffee und Wasser sind nicht gut für den Heilungsprozess, wie er felsenfest behauptete. Auf meinen Brezen wäre ich beinahe sitzengeblieben, denn Susanne und Elena kamen an diesem Tag nicht zum Essen. Männerbesuch, und dann auch noch die eigenen, als ob das wichtiger wäre. Also ging eine Breze an die nette Empfangsdame an der Rezeption und die zweite an Schwester Monika von unserer Station. Die dritte habe ich mir voller Genuss selber einverleibt. Mit Arne war ich am Nachmittag noch im Café und wir ...