1. Jennifer Ch. 01: Weck Mich Auf!


    Datum: 11.10.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen,

    Ich will hier fünf Geschichten erzählen, fünf Erlebnisse -- in Teilen haben sie sich genau so zugetragen, in Teilen sind sie erfunden, weitergesponnen und hinzugedichtet --, die Jenny und mich verbinden und die Teil meines sexuellen Ichs, Teil meines Verlangens sind.
    
    Warum schreibe ich sie auf? Zum Teil, um die Erinnerung wach zu rufen (und die prickelnde Erregung beim Schreiben zu genießen). Zum Teil, um das in der Fantasie zu erleben, was -- aus ganz verschiedenen Gründen -- tatsächlich nie passieren durfte. Und zum Teil, um die verborgenen Wünsche und die Facetten meiner Triebe zu erforschen, die sich dahinter verbergen. Eine sexuelle Psychoanalyse, wenn man so will, und einfach nur Lust an der erotischen Erinnerung und Fantasie.
    
    Jenny und mich hat es tatsächlich gegeben. Wir waren nie ein Paar, längst haben wir nur noch sporadischen Kontakt, sind weit voneinander entfernt in festen Händen, auf ganz verschiedenen Wegen. Für einige Monate -- 2017 und 2018 -- haben wir Kopf und Bett miteinander geteilt, haben uns in unsere Fantasien gestürzt und miteinander unsere Lust ausgelebt.
    
    Ich würde sagen: Jenny hat mir die Augen geöffnet, mich aufgeweckt. Sie hat mir den Weg zu meinem Verlangen und meiner Sexualität gezeigt. Ihr meint vielleicht: "Schrecklich spät, so mit Anfang 30!" Mag sein, aber so entwickeln sich die Dinge. Und ich bin verdammt froh darüber, so wie ich immer froh darüber bin, etwas über mich zu lernen. Auch wenn es spät ist. Warum bin ich so lange im ...
    ... Dunkeln getappt? Was ist passiert in all den Jahren zuvor und welche Wege bin ich gegangen? Das sind eigentlich -- wenn man das mit der Psychoanalyse ernst nimmt -- die richtigen und wichtigen Fragen. Und vielleicht nehme ich mir die auch mal vor; ohne Dichtung und Fantasie. Aber jetzt: Jenny und ich.
    
    Wir treffen uns, irgendwann Ende 2016, in einer Kneipe. Jenny ist die Arbeitskollegin eines Freundes, zum ersten mal dabei. Ich glaube, wir feiern irgendeinen Geburtstag damals. Sie ist witzig, schnell, nimmt kein Blatt vor den Mund, ist frech und an diesem Abend ziemlich schnell über den Durst. Irgendwann haben wir Nummern ausgetauscht, mit Zahlendreher. Für Wochen hören wir nichts voneinander. Bei der nächsten Party sehen wir uns wieder, dieses Mal stimmen die Nummern. Und noch ein paar Wochen später fangen wir an uns zu schreiben.
    
    Schnell werden unsere Nachrichten lang und ernst. Wir genießen die Aufmerksamkeit des anderen, hören einander zu, sind schonungslos offen,vertrauen einander und einander alles an. Das hilft -- gegen Jennys Alleinsein und gegen meine Einsamkeit. Jenny hat eine lange und anstrengende Beziehung hinter sich, die Trennung war schmerzhaft. Ich stecke mitten in einer Beziehung, die längst dem Ende entgegen steuert; nur dass ich davon noch nichts wahrhaben will.
    
    Wir schreiben viel über unsere Partner und Partnerschaften und natürlich auch über Sex. Mir gefällt Jennys schonungslose Art, sie kennt keine falsche Scham und reißt mich mit; vielleicht hilft ...
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