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Jennifer Ch. 01: Weck Mich Auf!
Datum: 11.10.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen,
... es auch, dass wir durch die glühenden Displays unserer Smartphones getrennt und verbunden sind. Ich kann viel offener sein, als gegenüber sonst irgendwem. Wir analysieren, tauschen uns aus, schreiben über Erlebnisse, Vorlieben und Fantasien. Und: Wir suchen und finden einen gemeinsame Sprache -- eigentlich banal, aber etwas, was mir in vielen Beziehungen schwergefallen ist. Heißt es "vögeln" oder "ficken"? "Vögeln" ist gut. "Penis, Schwanz ..." geht beides, je nach dem. "Vulva" und "Vagina"-- zu kompliziert. Jenny gefällt "Fotze". Oder "Fötzchen", wenn es mal zärtlich sein soll. Ich muss schlucken, das kommt mir ziemlich derb vor. Aber ich kann mich auf Jenny einlassen, sie wirkt unglaublich frei und selbstbestimmt. Ihre Klitoris nennt sie "Perle". Es gibt kein Thema, das wir in unseren Nachrichten nicht streifen, aber zum Sex kommen wir immer wieder zurück. Wir schreiben als Freunde, die wir inzwischen geworden sind, wir schreiben über Sex, teilen unsere Beobachtungen, Fragen, Gedanken und Gefühle, nicht mehr (und nicht weniger). Das ändert sich schlagartig an einem Freitag im Frühjahr 2017. Ich stehe an eine Laterne gelehnt auf einem Bahngleis bei Hamburg und warte auf meinen Anschlusszug. Jenny hat mich in unseren Nachrichten den ganzen Weg aus dem Rheinland in den Norden begleitet, sie im Büro ich im Zug. Um was es gerade genau ging, ich weiß es nicht mehr. Die Sprechblase ploppt im Chatverlauf auf: "Ich bin gerade total feucht!" Dem kleinen gelben Smiley hinter dem ...
... Text steigt die Schamesröte ins Gesicht. Das ist neu. Bisher haben wir über Vergangenes geschrieben und über Hypothetisches. Über Versäumtes und Erträumtes. Über Unerfülltes und Unergründliches. Nicht über das Hier und Jetzt, nicht über die Erregung, die wir tatsächlich spüren. Jenny und ich begegnen Offenheit mit Offenheit, das ist das Prinzip. Und wenn es heikel wird, dann hilft Humor. "Danke für die Info! Hatte auf der Fahrt auch einiges damit zu tun, meinen Ständer zu verbergen!" Zwinker-Smiley. Gedanken rasen durch meinen Kopf. Es stimmt: Ich bin oft erregt, wenn Jenny und ich uns Nachrichten hin und her schicken. Wir nehmen einander mit in prickelnde Fantasien und teilen erotische Erinnerungen, das Schreiben ohne Grenzen und Tabus hat seinen ganz eigenen Reiz. Das Pochen in meinem Schritt habe ich immer als Begleiterscheinung hingenommen, als eine natürliche Reaktion auf die Bilder, die wir heraufbeschwören. Dass es Jenny, mit dem Smartphone in der Hand, auf dem Bürostuhl oder auf dem Sofa genauso geht, dass unsere Worte uns beide im Augenblick des Schreibens elektrisieren, dass wir uns gegenseitig ... -- diesen Gedanken hatte ich verdrängt. "Bin eigentlich ziemlich oft geil, wenn wir texten." "Dito! ... Schlimm?" "Nö! Gut zu wissen, was ein paar Nachrichten von mir bewirken!" Jetzt setzt Jenny dem Smiley Teufelshörner auf. Von nun an geht es in unseren Gesprächen, unseren endlosen Nachrichten um uns. Wir erzählen und fantasieren weiter, doch immer ...