1. Dorfgeflüster 08


    Datum: 10.11.2022, Kategorien: Betagt,

    ... anzugehen, hatte sie schnell verworfen. Was sollte das nützen? Janine musste diese Entscheidung selber treffen. Mit allen Konsequenzen. Ja, so müsste es sein, dachte Marianne.
    
    Ohne einen fixen Plan machte Marianne sich auf zur Gärtnerei. Hier wurde ihre gute Laune schlagartig gedämpft. Janine hatte sich für die kommenden Tage weiterhin krank gemeldet. Außer ein paar herzlosen, bösartigen Gedanken war aus Katja nichts weiter rauszuholen. Marianne war enttäuscht und ärgerte sich über sich selbst. Sie hätte früher reagieren können. Hätte etwas tun können. Aber sie hatte es nicht getan. Was war jetzt mit Janine? Würde sie noch einmal wiederkommen? Vielleicht wäre es besser, wenn nicht.
    
    Marianne setzte sich auf eine Bank am Dorfplatz und grübelte vor sich hin. Sie nahm sich vor einen Brief an Janine zu Schreiben. Sie wusste wie ihre Eltern hießen und in welchem Dorf sie lebten. Vielleicht könnte Lutz ihr beim Überbringen helfen. Ja, sie war sich sicher, dass sie das tun musste. Sie begann den Brief in ihrem Kopf zu entwerfen, als auf einmal ein Schatten die Sonne bedeckte.
    
    „Hallo Marianne."
    
    Marianne kannte diese Stimme. Sie hätte sie heute und hier nicht erwartet. Aber sie freute sich sie zu hören.
    
    „Hallo Petra. Was für ein Zufall."
    
    „Darf ich mich setzten? Ich war gerade beim Einkaufen und da habe ich dich hier sitzen sehen."
    
    - Und da habe ich gedacht, dass ich vielleicht mit dir reden muss. Wegen neulich -
    
    „Aber natürlich. Komm her. Du warst neulich so ...
    ... schnell weg, da hab ich mir schon Sorgen gemacht."
    
    - Du hast dir ja auch vor meinen Augen eine Karotte in die Muschi gesteckt -
    
    „Ja, wegen neulich...das war. Also wie soll ich das sagen...."
    
    „Du warst davon überrascht, dass ich mir vor deinen Augen eine Karotte in die Muschi gesteckt habe, oder?"
    
    Petras riss ihre Augen auf und erstarrte.
    
    - Das hat sie jetzt nicht wirklich gesagt. Wie kann sie... -
    
    „Ich...ich...also ich. Du. Ja. Also das war. Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll."
    
    - Das ist doch nicht normal, dass man sowas vor jemanden tut -
    
    „Das tut mir leid Petra. Ich wollte dich damit nicht beleidigen. Und ich wollte auch nicht, dass du dich damit so unwohl fühlst. Es wird nicht wieder passieren."
    
    - Schade... schade, denn das seltsamste ist, dass ich seitdem an nichts anderes mehr denken kann -
    
    „Marianne, das ist es nicht. Es ist...ach, ich weiß auch nicht."
    
    „Es ist schon ok. Wir vergessen das einfach, in Ordnung?"
    
    - Nein, ich kann es nicht vergessen. Und ich will es auch nicht vergessen -
    
    „Ok. Danke Marianne. Ich wollte nicht... ach, keine Ahnung."
    
    „Petra. Es ist in Ordnung. Ich war wohl etwas übermütig in dem Moment. Ich wollte dir nichts aufzwingen. Wir sind doch auch nur Menschen. Alles ist gut."
    
    - Ist es das? Ist es gut, dass ich nur noch deine wunderschöne Muschi und die Karotte im Kopf habe? Ist es normal, dass ich es mir mittlerweile selbst mit einer Karotte gemacht habe und dabei an dich gedacht habe? -
    
    „Danke ...
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