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Silberhochzeit 2
Datum: 24.11.2022, Kategorien: Sonstige,
... Lisa dann schließlich zugibt, dass sie Enrico doch nicht mehr so sehr liebt, wie sie behauptet? Der Schuss kann ganz gewaltig nach hinten losgehen, Christian. Ich will dich nicht verlieren, ohne dich sterbe ich!" Christian war aufgestanden und zog mich an sich. "Du wirst mich nicht verlieren, niemals, dessen kannst du sicher sein. Notfalls ...", er machte eine kurze Pause bevor er weitersprach, "notfalls werde ich dich mit ihm teilen." Ich schubste ihn weg und schrie noch lauter als vordem: "Sag mal habt ihr alle eine Schraube locker oder was geht hier ab? Ich bin keine Hure, die sich von einer halben Fußballmannschaft bespringen lässt! Wie kommst du nur auf so bescheuerte Ideen? Und wie stellt ihr euch das eigentlich vor? Soll ich zu Enrico gehen und ihm sagen : Holla, hier bin ich, du kannst mich vögeln wenn du willst? Glaube mir, Enrico besitzt genügend Anstand mich nicht anzurühren, weil ich DEINE Frau bin! Aber wenn DU mich so leichten Herzens in sein Bett abschieben kannst, muss ich doch an deiner Liebe zu mir zweifeln. Und jetzt will ich nichts mehr davon hören, ich gehe schlafen und wage es ja nicht mich anzufassen, wenn du später nachkommst! Oder schlafe hier auf dem Sofa, das wäre noch besser!" Das war der erste wirklich schlimme Streit in unserer Ehe, alle anderen Vorfälle der letzten Jahre waren Bagatellen, lächerlich im Vergleich zu dieser Auseinandersetzung. Obwohl - es war ja eigentlich keine richtige Auseinandersetzung. Christian hatte es nur ...
... gut gemeint. Wie immer hatte er genau das ausgesprochen, was ich fühlte und mir eine Möglichkeit geboten meine innere Zerrissenheit, ohne ihm gegenüber ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, in den Griff zu bekommen. Und ich bin wie ein Knallbonbon explodiert. Ich heulte in mein Kissen, als mir das klar wurde. Zum ersten mal seit so vielen Jahren lag ich ohne meinen Mann im Bett. Ich fühlte mich schlecht, weil ich ihn so angeschrien hatte. Dieses Mal konnte ich nicht einmal zu Enrico gehen um mich bei ihm auszuheulen, was die Sache noch schlimmer machte und zu Mama Maria schon gar nicht. Ich stand auf, öffnete das Fenster und sah gedämpftes Licht im Obergeschoss des Hotels. Jemand stand vor dem Panoramafenster und hob eine Flasche in die Höhe um einen langen Zug daraus zu trinken, dann senkte sich sein Arm und er fuhr sich mit der anderen Hand durchs Haar, bevor er die Stirn gegen die Scheibe legte. Das war Enrico, er war in der Hochzeitssuite! Plötzlich fiel mir ein, dass er vor einigen Tagen irgendjemanden am Telefon erklärte, dass die Hochzeitssuite nicht zur Verfügung stände. Dort verbrachte er also seine Abende und Nächte. Der Drang zu ihm zu eilen war so stark, dass ich ihn nur mit Mühe niederringen konnte. Eine Weile beobachtete ich ihn noch, wie er dastand und hin und wieder einen tiefen Schluck aus der Flasche nahm. Er war definitiv allein dort oben. Genauso allein wie ich, ging mir geradewegs durch den Kopf. Ich musste zu Christian, ich ...