1. Silberhochzeit 2


    Datum: 24.11.2022, Kategorien: Sonstige,

    ... musste mich entschuldigen.
    
    Es mochte gerade mal 23:00 Uhr sein, als ich mich leise die Treppe hinunterschlich.
    
    Doch Christian lag nicht auf dem Sofa. Ich erkannte seine Silhouette vor der großen, verglasten Schiebetür, die zur Terasse hinausführte. Sein Blick richtete sich auf die Gestalt vor dem Fenster im Dachgeschoss des Hotels. Ich trat zu ihm und umarmte ihn von hinten.
    
    "Es tut mir leid, mein Herz", flüsterte ich, er streichelte sanft über meinen Arm.
    
    "Ist schon gut, mein Engel. Schau, dort oben steht er. Ich wollte dir sagen, dass ich ihn in letzter Zeit schon mehrfach dort habe stehen sehen, aber dazu bin ich leider nicht mehr gekommen, weil du so außer dir warst. Ich habe mir bis heute keine Sorgen gemacht, dachte die zwei hätten sich vielleicht gestritten. Ich habe Enrico sogar mal darauf angesprochen. Er meinte, er ginge in die Suite, wenn er einfach nur seine Ruhe haben wolle. Aber jetzt, mein Engel, sieht die Sache anders aus.
    
    Er braucht Hilfe. Vielleicht ist es auch ein Hilfeschrei seinerseits, denn eigentlich weiß er, dass wir ihn da oben genauso sehen können wie er uns, wenn der Raum beleuchtet ist. Vielleicht ist er aber auch schon viel zu betrunken um klar denken zu können, ich weiß es nicht. Ich habe nur große Angst, dass er sich was antut", seine letzten Worte kamen Christian schluchzend über die Lippen.
    
    Mein Herz setzte einen Schlag aus.
    
    "Aber ... aber das wird er nicht Christian, oder?"
    
    "Ich weiß es nicht, Schatz. Ich weiß nur, ...
    ... dass er viel sensibler ist, als er sich gibt."
    
    "Du musst zu ihm gehen und auf ihn aufpassen, oder wir wecken Alessandro, er wird sich um Enrico kümmern! Rufe ihn an Christian, bitte!"
    
    Er schüttelte den Kopf, drehte sich langsam zu mir um, zog mich an sich und küsste mich.
    
    "Mich wird er fortschicken und Alessandro ist doch gestern Nachmittag mit Jessica nach Italien gefahren, das weißt du doch Schatz", erinnerte er mich an Alessandros Abreise.
    
    Mein Atem ging hektisch, in meinem Kopf herrschte ein panisches Durcheinander.
    
    "Papa Fernando und Mama Maria", stieß ich hervor.
    
    Christian lachte auf.
    
    Er fasste mich bei den Schultern und schüttelte mich leicht.
    
    "Lena, komm schon. Warum willst du einfach nicht wahrhaben, dass du diejenige bist, die er gerade so dringend braucht?", fragte er, "er war so oft für dich da, jetzt bist du an der Reihe ihm den nötigen Halt zu geben."
    
    "Ich kann das nicht ... ich kann nicht mit ihm schlafen, Christian! Verstehst du das denn nicht?", schrie ich, die Panik hatte mich total überwältigt und ich zitterte am ganzen Körper.
    
    Christian trug mich zum Sofa und eilte an unser Barfach, nur Sekunden später flößte er mir irgendeinen Höllenschnaps ein. Er kippte einfach, so dass ich gezwungen war das Zeug zu trinken, sofern ich eine größere Schweinerei verhindern wollte. Es brannte fürchterlich und ließ mich nach Luft schnappen, aber Schluck für Schluck wurde ich ruhiger und wohlige Wärme breitete sich in mir aus.
    
    "Geht's wieder ...
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