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Silberhochzeit 2
Datum: 24.11.2022, Kategorien: Sonstige,
... herunter und ließ mich zunächst orientierungslos zurück. Blinzelnd tastete ich mich barfuß durch den kleinen, stockdunklen Korridor, der vom Duft von Enricos Duschgel erfüllt war. Die Musik dröhnte in meinen Ohren, als ich die Tür vorsichtig öffnete. Enrico saß vorgebeugt immer noch an seinem Platz am Fenster, die Weinflasche fest mit der rechten Hand umschlossen. Einige leere Flaschen lagen auf dem Boden verteilt herum, derweil auf dem Tisch eine ganze Kiste noch unberührter Weinflaschen stand. Er war barfuß, trug eine Anzugshose, dessen Jacke zerknüllt vor der Ledercouch lag, ein kleines Stück davon entfernt sah ich seine Krawatte auf dem Teppich liegen. Sein Hemd war genauso wie seine Hose geöffnet. Langsam ging ich, unsicheren Schrittes, auf ihn zu. Er regte sich nicht. Erst kurz bevor ich ihn erreichte, hob er seinen Kopf und strahlte mich an. Dann ließ er seinen Blick über meinen Körper gleiten und ich sah, das Verlangen in seinen Augen aufleuchten. Plötzlich war ich stocknüchtern. Enrico klatschte seine linke Hand auf den Boden neben sich, bedeutete mir somit mich zu ihm zu setzen, was ich auch tat. Er drosselte die Lautstärke der Musik mit einer Fernbedienung, die zu seinen Füßen lag und nahm eine zweite zur Hand, drückte einen Knopf und ich hörte das leise klappernde Geräusch, als die Jalousie des riesigen Fensters sich langsam herabsenkte. Mir wurde etwas mulmig zumute. Enrico legte seinen Arm um mich und zog mich näher zu sich ...
... heran. "Das Leben ist von hinten bis vorne beschissen oder nicht? Was hast du auf dem Herzen, warum bist du hier?", fragte er mich. Er war nicht betrunken, seine Aussprache war klar und deutlich. "Dieses Mal bist du es, der etwas auf dem Herzen hat Enrico. Rede mit mir, bitte", forderte ich ihn auf. "Mir geht es gut, ich komme klar mein Schatz. Hätte ich gewusst, dass du kommst, dann hätte ich aufgeräumt ...", zärtlich fuhren seine Finger an meinem Arm auf und ab. So war es immer gewesen, er sprach nicht über Dinge, die ihn belasteten. "Nein Enrico, es geht dir nicht gut, das weiß ich und das spüre ich", ich rutschte auf seinen Schoß , legte meine Hände an seine Wangen und sah ihm in die Augen. Er lächelte mich an und küsste meine Nasenspitze. Ich umarmte ihn, kuschelte mich an ihn und vernahm seinen mir vertrauten, frischen, sauberen Duft. Er legte seinen Arm um mich, nahm den letzten Schluck aus der Flasche, ließ sie daraufhin über den Boden rollen und legte auch den zweiten Arm um mich. Er atmete tief ein und schien sich ein wenig zu lockern. So saßen wir eine längere Zeit schweigsam, eng verbunden auf dem Boden vor dem Fenster. Ich wusste, dass ihm meine Wärme guttat, schließlich hatte ich oft genug seine Wärme auf mich wirken lassen. Hin und wieder streichelte er meinen Rücken. "Kannst du dir vorstellen, wie es ist neben einem Eisblock schlafen zu müssen?", fing er zu reden an, "Die Kälte fährt dir in alle Glieder und zerfrisst dich innerlich, ganz langsam und ...