1. Silberhochzeit 2


    Datum: 24.11.2022, Kategorien: Sonstige,

    ... arrangiert. Ich hatte mich mit Lisa vertragen, obwohl ich zugeben musste, dass wir nie wieder so vertraut miteinander umgingen, wie es vorher der Fall gewesen war.
    
    Enrico gab sich normal seit ich unsere Beziehung beendete. Ich vermisste ihn ... so sehr. Er hat sich also in eine andere Frau verliebt und bei ihr seine Bedürfnisse stillen können.
    
    Aber warum, hat Mama Maria so etwas zu mir gesagt?
    
    Und warum hatte ich stets das Gefühl, dass Enrico nicht glücklich war, abgesehen von der Tatsache, dass seine Mutter sterbenskrank war?
    
    Alles sehr sonderbar.
    
    Je länger ich darüber grübelte, desto schmerzhafter wurde der Gedanke für mich, denn Enrico hatte nicht lange auf mich gewartet. Mit dem Entschluss Christian in den nächsten Tagen auf diese Frau anzusprechen rappelte ich mich hoch.
    
    Als ich den Raum verlassen wollte, stand Alessandro leise schluchzend in der Tür, wie lange er schon dort gestanden hatte und ob er mein Versprechen hörte, wusste ich nicht.
    
    Er war, mit seiner kleinen Familie sechs Wochen zuvor angereist, gleich als die lange Sommerferienzeit in Italien begann, um die letzten Tage an der Seite seiner Mutter verbringen zu können. Ich zog ihn in meine Arme und streichelte ihm tröstend seinen Rücken. Weinend umarmte er auch mich. Er beruhigte sich relativ schnell.
    
    "Wie machst du das nur, Lena?", fragte er mit belegter Stimme.
    
    "Was meinst du?", ich sah ihn verständnislos an.
    
    "Nun, du schließt jemanden in deine Arme und er fühlt sich gleich ...
    ... getröstet. Jedermann, der dein bezauberndes Lächeln zu sehen bekommt, meint die Sonne ginge auf. Die Herzenswärme, die du ausstrahlst, bringt jedes noch so kalte Herz zum schmelzen. Du findest die richtigen Worte, um jemanden aus tiefer Dunkelheit zurück ans Licht zu führen. Du bist in einem Moment selber tieftraurig und im nächsten spendest du Trost, als hätte es die Tränen, die du kurz zuvor geweint hast nie gegeben."
    
    Seine Worte beschämten mich ein wenig.
    
    "Ich weiß es nicht Alessandro. Vielleicht habe ich diese Begabung nur, um euch ein wenig von der Liebe zurückzugeben, die ihr mich damals habt spüren lassen, als meine eigene Mutter mich vor die Tür gesetzt hat. Du hast mir vor langer Zeit zur Seite gestanden und mich vor den Attacken unserer Mitschüler geschützt, als mein Vater mich bei meiner kaltherzigen Mutter zurückließ, weißt du noch? Ich liebe euch alle von ganzem Herzen", flüsterte ich.
    
    "Das war nichts, Lena. Aber ich habe mich nie dafür bedankt , dass du mir deine Wärme geschenkt hast, als es mir vor anderthalb Jahren so dreckig ging, danke, dass du mich aus dem Dunklen befreit hast", sprach Alessandro leise, "danke dafür, dass du meinem Vater vor Kurzem seinen Gottesglauben zurückgegeben hast und nochmal danke dafür, dass du meiner Mutter gerade eben eine schwere Last vom Herzen genommen hast. Ich denke, sie ist nun bereit loszulassen und wird in Kürze von ihrem Leiden erlöst werden. Habe ich recht?"
    
    Ich nickte.
    
    Er zog mich noch einmal fest an sich, ...