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„Die Kunst braucht mehr nackte Männer!“ - von einem Multitalent, das auszog, um ausgezogen zu werden
Datum: 18.01.2023, Kategorien: Kunst,
... mit hohen Absätzen trägt und dazu enge Röcke, die mal mehr, mal weniger weit über den Knien enden. Eines Tages hatte mich Frau Meisinger angerufen und mich freundlich aber bestimmt zu sich in die Bank gebeten. Was bei mir zwiespältige Gefühle auslöste: Einerseits würde ich mich mit einer schönen Frau treffen, andererseits würde es keinen angenehmen Plausch geben, sondern Frau Meisinger würde mich daran erinnern, dass ich mit den Raten für meinen Auto-Kredit wieder mal im Verzug war. Paradox: Ich brauche das Auto, um zu meinen Auftritten fahren zu können, aber ich verdiente damals mit diesen Auftritten zu wenig, um das Auto abbezahlen zu können. Also erschien ich am nächsten Morgen in meinem besten und einzigen Anzug und mit flauem Gefühl im Magen im Büro meiner Bankberaterin. Sie sah wieder verteufelt gut aus in ihrer weißen, hautengen Bluse und dem cremefarbenen, kurzen Rock und sie war ja auch wieder sehr charmant und gar nicht der Typ „knallharte Bankerin“, für den Empathie ungefähr genau so überflüssig ist wie ein Pickel auf der Nase. Und so sagte die schöne Frau Meisinger gleich zu Anfang: „Sie brauchen mir Ihre Situation gar nicht zu erklären; ich kann mir schon denken, dass Sie wieder mal mit Aufträgen nicht gerade überschüttet werden. Aber lassen Sie den Kopf nicht hängen, ich werde Ihnen helfen. Bekannte von mir haben eine Künstleragentur. Lassen Sie sich dort unter Vertrag nehmen, und ich gebe Ihnen zwei Monate Zeit, die ausstehenden Raten nachzuzahlen!“ Ich ...
... fand es ja wahnsinnig nett, dass meine Bankberaterin mir Hilfe anbot, aber ich hatte Bedenken: „Mit Künstleragenturen habe ich´s schon versucht, aber da sind nur selten Aufträge gekommen. Was ist, wenn Ihre Bekannten auch nichts für mich an Land ziehen? Oder wenn sie mich gar nicht unter Vertrag nehmen wollen?“ „Sie werden etwas für Sie an Land ziehen und sie werden Sie unter Vertrag nehmen, verlassen Sie sich drauf!“, entgegnete Frau Meisinger bestimmt. „Allerdings müssen Sie vielleicht auch mal Ihren hohen künstlerischen Anspruch runterschrauben und ein Geburtstagsständchen singen. Haben Sie ein Problem damit?“ „Nein, überhaupt nicht“, versicherte ich. „Ich habe nur ein Problem mit meiner miesen finanziellen Lage.“ „Dann passt ja alles. Hier ist die Adresse meiner Bekannten, Frau und Herr Graf.“ Frau Meisinger reichte mir eine Visitenkarte über den Schreibtisch. Gut, ich würde Geburtagsständchen singen, aber ich würde zumindest nicht mehr pleite sein. Diese Vorstellung genügte, um Euphorie bei mir auszulösen. In dem Moment fiel mein Blick auf die glänzenden, cremefarbenen High Heels der schönen Bankerin und mir entfuhr ein Satz, der noch Folgen haben sollte, von denen ich in dem Moment aber nicht das Geringste ahnte. Ich sagte, ohne groß nachzudenken: „Frau Meisinger, Sie sind ein Schatz; am liebsten würde ich Ihnen vor Dankbarkeit die Füße küssen.“ Ein Lächeln spielte um Sylvia Meisingers dunkelrot geschminkten Mund, als hätte gerade ein Kind etwas Drolliges ...