1. „Die Kunst braucht mehr nackte Männer!“ - von einem Multitalent, das auszog, um ausgezogen zu werden


    Datum: 18.01.2023, Kategorien: Kunst,

    ... Verträge von Künstleragenturen verfasst war, mit denen ich bisher zu tun hatte. Nur eine Klausel machte mich stutzig: „Die Agentur ist berechtigt, den Künstler nach ihrem Ermessen einzusetzen. Der Künstler ist nicht berechtigt, Aufträge ablehnen.“
    
    Ich fragte, wie das gemeint sei.
    
    Wieder lachten die Grafens, und der Mann sagte: „Sie müssen sich wegen dieser Klausel keine Gedanken machen. Wir sichern uns damit nur ab.“
    
    Die Frau fügte hinzu: „Keine Angst: Wir werden bestimmt nicht von Ihnen verlangen, dass Sie mit wilden Löwen ringen oder sich auf ein rostiges Nagelbrett legen.“
    
    Restlos beruhigte mich das nicht, aber Herr Graf verstand es, die Diskussion mit einem Argument abzukürzen, dem ich nun wirklich nichts entgegenzusetzen hatte:„Unsere Freundin Sylvia – also Frau Meisinger – meinte, Sie brauchen den Job unbedingt, sonst müssen Sie Ihr Auto hergeben. Das wäre doch schade.“
    
    Damit hatte mein künftiger Agent natürlich vollkommen recht, und so unterschrieb ich den Vertrag, bevor es sich die Beiden vielleicht noch anders überlegten.
    
    „Sehr schön“, sagte Frau Graf, „dann sehen wir uns übermorgen wieder. Zehn Uhr. Eine Fotografin wird Bilder für unsere Künstler-Datenbank von Ihnen machen. Sie brauchen keine Bühnenkleidung mitzubringen, darum kümmern wir uns.“
    
    Ich fuhr nach Hause und wollte mir zur Feier des Tages gerade ein Bier aufmachen, da klingelte mein Smartphone, bzw. es spielte die Anfangstakte von „I can´t stand the rain“ in der Version von Ann ...
    ... Peebles, sowieso die beste Version von all den unzähligen. Frau Meisinger war dran und gratulierte mir zu meinem neuen Job. Wenn es mir passte, sollte ich morgen um neun Uhr wieder in ihr Büro kommen.
    
    „Muss ich irgendwas unterschreiben?“, erkundigte ich mich erstaunt.
    
    „Sagen wir so“, kam die Antwort aus dem Telefon, „Sie haben noch etwas zu erledigen.“
    
    Also ging es am nächsten Morgen nochmal zur Bank. Muss ich erwähnen, dass Sylvia Meisinger wieder fantastisch aussah? Weißes, tief ausgeschnittenes Shirt, kniefreier Bleistiftrock, weiße, hochhackige Pumps. Anstatt mir wie sonst den Besucherstuhl anzubieten, sagte sie: „Kommen Sie bitte mit! Denn geteilte Freude ist doppelte Freude.“ Wir verließen ihr Büro und gingen den Flur entlang, unterwegs klopfte Frau Meisinger an jede Tür, an der wir vorüberkamen. Am Ende des Flurs betraten wir eine Art Aufenthaltsraum oder Besprechungsraum mit einem langen Tisch und mehreren Stühlen drin. Anstatt mir zu erklären, warum wir hier hergekommen waren, fragte Frau Meisinger mich schelmisch lächelnd: „Wie gefallen Ihnen meine Schuhe?“
    
    Ich antwortete verdutzt, aber wahrheitsgemäß: „Sie sind sehr schön und passen ausgezeichnet zu Ihnen.“
    
    „Freut mich, Ihren Geschmack getroffen zu haben“, sagte Frau Meisinger, dann wurde unsere Unterhaltung von rund einem Dutzend ihrer Kolleginnen und Kollegen unterbrochen, die sich in den Raum schoben. Sie tuschelten und lachten und stellten sich um uns herum auf. Ihre Erwartungshaltung war quasi mit ...
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