1. Das Refugium 2 - Complete 000 - 018


    Datum: 27.01.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    ... zuhörst, und danach kannst du entscheiden, ob du jemals wieder von mir hören möchtest oder nicht."
    
    Kalina brauchte nicht lang nachzudenken, es war Jahre her, aber nun drängten sich endlose Serien von Bildern aus ihrem Unterbewusstsein an die Oberfläche. Wie oft sie sich hatte von "Anni" trösten lassen, wenn ihre Trainerin sie buchstäblich bis aufs Blut gequält hatte, oder wenn sie von älteren Funktionären "zum Spielen" in ihre luxuriösen Hotelräume gebeten wurde, stets mit dem Zusatz, dass ihr der Sport doch Spaß mache, und sie ihn doch sicher weiter ausüben und es bis ganz nach oben schaffen wolle.
    
    Alinas Karriere konnte weitergehen, obwohl sie natürlich nie in eins der besagten Hotelzimmer ging. Jedes Mal hatte Marianne sie beschützt. Kalina hörte aber ab und zu von anderen Sportlerinnen, die sich darauf einließen und stets hinter vorgehaltener Hand, dass dort Dinge mit ihnen gemacht wurden, die sie anekelten, und die sie nicht wollten. Nicht wenigen nützte ihr Mitmachen überhaupt nichts, sie wurden trotzdem aus dem Kader aussortiert. Wenn allerdings Marianne die Sache in die Hand nahm, bekamen die Hotelzimmer in der Regel bald danach neue Mieter. Die meisten älteren Herren waren dann vorsichtiger als ihre Vorgänger, zumindest bei den Mädchen, von denen bekannt war, dass sie Verbindungen zu Marianne hatten. "Warte einen Moment, gleich kommt ein kleiner Park, ich setze mich auf eine Bank, und dann höre ich dir zu. Solange du willst, und nicht nur eine Viertelstunde." ...
    ... Auf dem weiter von Kalinas Handy übertragenen Kamerabild konnte man sehen, dass Kalina die Fassaden einer endlosen Häuserzeile entlang ging, und dann ein hohes, schmiedeeisernes Tor passierte. Darüber wölbte sich das grüne Dach großer, alter Bäume, und Kalina nahm unter einem davon Platz, offenbar hatte sie ihr Ziel erreicht.
    
    "Schieß los, Anni, und denk an Radio Moskau."
    
    Marianne brauchte keine Viertelstunde, es reichten zehn Minuten, um Kalina die Geschichte vom Refugium und ihren Problemen mit Nikolai zu erzählen.
    
    "Ich kenne Nikolai Saitzew," sagte Kalina, "unangenehmer Typ, arroganter alter russischer Adel, wo man traditionell die Reitpferde besser behandelt als die Frauen. Radomir hat ihn nach einer Bestechungsgeschichte, wo man ihm aber nichts wirklich nachweisen konnte, in irgendeine gottverlassene Ecke im ehemaligen Polen verbannt. Er hätte ihn wohl lieber nach Sibirien in Dauerurlaub geschickt, aber das ging nicht, seine Familie war zu gut vernetzt."
    
    Dann fasste sie zusammen. "Du sitzt also im Moment in den Tiefen eines Gebirges auf einer Atombombe, die ein gewisser Manfred, Ex-BND, zünden muss, wenn er meinen Mann nicht sprechen kann, der ihm Nikolai vom Pelz schaffen muss, damit dieser nicht die High-Tech Waffen, die da versteckt sind, nehmen und meinen Mann damit aus dem Amt jagen kann. Habe ich das so ungefähr richtig zusammenbekommen?"
    
    "Ziemlich präzise, Lina. Ich weiß, es hört sich alles ungeheuer unwahrscheinlich an, aber glaub mir, wenn du diese ...
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