Ausgrabungen
Datum: 22.02.2023,
Kategorien:
Reif
... mitgenommen hast und nicht Connie oder Stefan oder das Froschgesicht, dessen Namen ich mir nicht merken kann..."
"Arthur. Froschgesicht, du bist mir so eine Marke. Hm. Stimmt aber irgendwie."
Ich sah ihr fest in die Augen.
"Und du hast dir dies auch verdient. Nicht nur, weil du mich in einem der schlimmsten Momente meines Lebens an die Hand genommen hast, sondern auch, weil du ein unglaubliches Potential hast, das du nur freisetzen musst. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, dir das zu ermöglichen."
"Dito."
"Was?"
"Du kennst dein Potential auch noch nicht. Aber das wird schon, Tom. Das wird schon."
Ehrlich gesagt verstand ich nicht mal ansatzweise, was sie damit sagen wollte. Und irgendwie hatte ich plötzlich Angst nachzufragen. Wir blieben vielleicht noch eine halbe Stunde, und erlösenderweise stellte sie mir keine persönlichen Fragen mehr, sondern trotz ob des Weines schwerer werdender Zungen, sehr kluge fachliche.
Im Hinterkopf schwirrten aber immer noch Fragen, die sie gestellt oder ausgelöst hatte rum. Unter anderen Umständen hätte mich diese vielleicht auch noch wachgehalten. Angenehm betäubt vom Wein und dem guten Essen, gingen wir rasch nach unserer Rückkehr in die Unterkunft ins Bett.
Sie hatte Recht, es fühlte sich überhaupt nicht peinlich oder komisch an. Das Bett war breit, wir beide auch ein bisschen. Ich hoffte nur, dass ich nicht schnarchte. Wenn man so lange allein gelebt hat, wie ich, hat man schließlich ...
... niemanden, der sich darüber aufregen oder einem das zumindest mitteilen konnte. Mit diesem Gedanken versank ich rasch in traumlosen Schlaf.
3
Das unangenehme Fiepen meines Weckers hatte noch nie seine Wirkung verfehlt. Ich war sofort wach. Erleichtert sah ich Annalena weit weg von mir zur Wand gedreht, weil irgendwie hatte ich befürchtet, sie kuschelnd in meinem Arm vorzufinden.
"Morgen, Anna... Lenny. Gut geschlafen?"
"Hmpf", drang es aus der Ecke, sonst gab es weder Erläuterungen, noch irgendeine Bewegung.
"Nun... wenn du keine Einwände hast, spring ich schnell unter die Dusche. Kannst gerne schon Frühstück machen, Giovanni hat uns ja so einiges als Grundausstattung dagelassen."
Auch hierauf bekam ich nur ein Brummeln als Antwort. Ein Morgenmuffel offenbar. Ich war von der Aussicht, die Site inspizieren zu können, schon elektrisiert und auch mental auf Hochtouren. Beim aus dem Bett klettern stellte ich dann fest, dass ihr bewegungsloses Abwenden mir durchaus eine kleinere Peinlichkeit erspart hatte. So fand ich sie allerdings auch noch bei meiner Rückkehr aus dem Badezimmer vor.
"Ehm... Lenny... tut mir ja schrecklich leid, aber wir müssen uns ranhalten. Ich mach uns Frühstück, während du duschst. Wir können ja draußen frühstücken, der Tisch im Garten ist mitten in der Sonne, das ist bestimmt schon warm genug."
Erst dachte ich, sie sei tatsächlich nochmal eingeschlafen, doch dann kam ein tiefes Seufzen und langsam bewegte sich das ...