1. Ausgrabungen


    Datum: 22.02.2023, Kategorien: Reif

    ... schon. In 57 Jahren.
    
    Nachdenklich und fast auf Zehenspitzen schlich ich zurück in die Wohnung. Oh mein Gott, sie war immer noch nicht fertig mit dem Duschen. Und allem anderen. Fast wäre mir das Tablett aus der Hand gerutscht, als ich unfreiwilliger Zeuge ihres recht lautstarken Höhepunkts wurde, gerade als ich die heiße Kaffeekanne darauf abstellen wollte. Tief durchatmen, die zitternde Hand beruhigen, und ab durch die Mitte.
    
    Die Ruhe des frühmorgendlichen Gartens und mein Versuch, den Frühstückstisch auch optisch ansprechend zu gestalten, schaffte es schließlich, zumindest ansatzweise ein wenig Souveränität zurückzugewinnen. Keinen Augenblick zu früh, denn schon kam Lenny mit noch leicht tropfenden Haaren, für den Dig sehr angemessenen Kleidung und ihrem chronisch verschmitzten Grinsen an den Tisch.
    
    "Wow, was ist das ist denn... Frühstücksgelage? Wo hast du denn das ganze Zeug her?"
    
    "Giovanni ist halt ein sehr führsorglicher Gastgeber. Ich glaube, wir brauchen vor dem Wochenende überhaupt nicht mehr einkaufen gehen, höchstens Wasser. Da war übrigens auch ein Föhn im Bad, hast du den nicht gesehen?"
    
    "Nö, hab aber auch einen mit. Sind das hier übrigens andere Steckdosen als bei uns? Hätte dich eigentlich vorher fragen sollen."
    
    "Nee, alles genau wie bei uns. Möchtest du Milch und Zucker für den Kaffee?"
    
    "Bäh, ich bin doch nicht pervers. Kaffee trinkt man schwarz."
    
    Na, eine Gemeinsamkeit, wer hätte das gedacht. Ich sah ihr versonnen zu, wie sie sich ...
    ... Obst und Gemüse auf den Teller häufte und dann etwas ungelenk Brot abschnitt.
    
    "Ich hoffe ich war nicht zu laut, das wär mir ja echt peinlich."
    
    Fast hätte ich mich schon wieder verschluckt. Bei ihren verbalen Blitzangriffen musste man diesbezüglich wohl ständig auf der Hut sein. Vorbei war's mit der Souveränität. Ich fühlte mir das Blut in den Kopf schießen. Sie fuhr gnadenlos fort.
    
    "Wir kennen uns ja auch noch nicht so gut. Und das ist bei mir eigentlich fast jeden Morgen so."
    
    Jeden Morgen? Alter Schwede. Irgendwie sollte ich wohl am Gespräch teilnehmen, ich wusste nur nicht, wie.
    
    "Weiß auch nicht warum. Elendige Furzerei. Aber nur frühmorgens. Brauchst dir für die Autofahrt keine Gedanken zu machen."
    
    Ich war viel zu verblüfft, um irgendwie auf dieses Missverständnis zu reagieren. Erst als sie mich fast ängstlich anstarrte, schaffte ich es mich zu räuspern und dann zu antworten.
    
    "Ehm...
    
    das
    
    habe ich allerdings gar nicht mitbekommen, da war ich wohl im Garten. Selbst wenn... also darüber mach dir mal keine Gedanken."
    
    Oh Schreck, hoffentlich hatte sie meine Betonung überhört. Ihr unverschämtes Grinsen belehrte mich eines Besseren.
    
    "Ach, aber das
    
    andere
    
    hast du gehört? Sorry, aber auch da habe ich keine Kontrolle über den Lautstärkepegel. Wenn dich das stört, werde ich mich aber versuchen zurückzuhalten. Ich kann ja aufn Waschlappen beißen oder sowas."
    
    "Es... es stört mich nicht", antwortete ich mit tonloser Stimme und dem verzweifelten ...
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