Ausgrabungen
Datum: 22.02.2023,
Kategorien:
Reif
... ausgegangen, dass auch dies sich zum Bett umfunktionieren ließ und hatte mich zudem nur mild gewundert, warum uns Frau Clausen eine Einzimmerwohnung gemietet hatte, eingedenk unserer finanziellen Einschränkungen.
"Na, das Sofa...", setzte ich an, um aber sofort von ihr unterbrochen zu werden.
"Ist nur ein Sofa. Zweisitzer, nicht zum Ausziehen. Hab's abgecheckt."
Das war mir entgangen, wahrscheinlich während ich mit Giovanni auf Mülleimer-Orientierungskurs gegangen war.
"Oh... das ist... aber wieso... ich versteh nicht, wie Frau Clausen das passieren konnte. Ich kann... soll ich vielleicht Paolo bitten..."
"Lass stecken. Gar kein Problem. Ich wollte nur wissen, woran ich bin, verstehste? Mich stört das nicht die Bohne."
So sicher war ich mir da allerdings nicht, ob ich das auch so locker sah. Das war eine Situation, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte.
"Nun... wie soll ich sagen... ich bezweifele nicht, dass... ehm... ich werde natürlich ein perfekter Gentleman sein. In meinem Alter ist man über diese Dinge..."
Ihr schallendes Gelächter ließ mir das Blut in den Kopf schießen und jedes weitere Wort wollte einfach nicht mehr über die Zunge.
"Tom, das ist doch überhaupt kein Thema. Wir sind doch beide Erwachsene, oder? Stell dich doch nicht so an, bist du echt so verklemmt?"
Ich war unfähig zu antworten. Ganz ehrlich, bis zu diesem Moment war mir irgendwie nur am Rande bewusst geworden, dass ich hier mit einer jungen, wohl durchaus ...
... attraktiven Frau, vier Monate durchgängig und nun offenbar auch auf engstem Raum zusammen sein würde. Ich weiß nicht genau, wie ich das glaubhaft erklären kann - in meinem Kopf war bis zu diesem Moment nur die Ausgrabung gewesen, das Projekt, die Planung, der Ablauf, die Vorfreude auf die Erfüllung eines Traums.
Im Gegensatz zu einiger meiner Kollegen schaute ich mir die jungen Dinger in der Uni nicht an, auch wenn da einige alles andere als mit ihren Reizen geizten. Für mich waren sie Schutzbefohlene, die ich in die wunderbare Welt der Wissenschaft, meiner Wissenschaft, einzuführen hatte. Das war mein Selbstbild und in dem war für versteckte oder offene sexuelle Interessen kein Platz. Dachte ich. Glaubte ich. Redete ich mir über Jahre erfolgreich ein?
"Hallo? Redest du noch mit mir?"
Diese Filmrisse, die ich in Gesprächen mit ihr bekam, machten mich langsam nervös. Erst jetzt wurde mir klar, dass ich mich so in meine Reflektionen vertieft hatte, dass ich überhaupt nicht mehr wahrnahm, wo und mit wem ich mich befand.
"Sorry, irgendwie erwischt du mich immer auf dem falschen Fuß. Wir können ja... wollen wir nicht langsam was essen gehen? Wir können uns dann ja nochmal in Ruhe unterhalten. Giovanni hat ein Restaurant ganz in der Nähe empfohlen."
"Prima, habe langsam auch Schmacht. Meine erste echte italienische Pizza..."
"Hm, weiß gar nicht, ob es da auch Pizza gibt, klang eher nach einem edleren Restaurant, Pizza ist hier eher Arme-Leute-Essen, oder ein kleiner Imbiss ...