Ausgrabungen
Datum: 22.02.2023,
Kategorien:
Reif
... zum Mittag... naja, aber für Touristen haben sie die auch in vielen besseren Restaurants im Menü."
"Oh Gott, muss ich mich dann noch auftakeln?"
"Ach Quatsch, du bist doch anständig angezogen, ich sollte aber vielleicht noch ein anderes Hemd anziehen, ich hab beim Verladen und im Auto ganz schön geschwitzt."
Gesagt, getan, eigentlich hätte ich auch eine Dusche vertragen können, aber mit notdürftigem Frischmachen ging das auch. Etwas überrascht stellte ich fest, dass sie sich doch umgezogen hatte, ein buntes Sommerkleid und dazu passend eine Sonnenbrille, 60er Jahre Style.
Das Restaurant war wirklich nah dran und einfach zu finden, und zudem absolut göttlich. Auch wenn die Preise nicht gerade niedrig waren. Ich überredete Annalena, darauf nicht zu achten, weil ich sie einladen würde und statt Pizza, die es tatsächlich ebenfalls gab, doch lieber ein Fischgericht zu probieren. Der Wein war auch von erlesener Qualität; mit ihm löste sich Stress, Anspannung und Verwirrung in Wohlgefallen auf.
Trotz der frühen Abendstunde füllte sich das Restaurant langsam. Es waren nur wenige Touristen dazwischen, was mir wirklich recht war, denn so kam Lenny und letztlich auch ich in den Genuss des authentisch italienischen Restaurantfeelings. Während des Essens hatte ich ihr hauptsächlich von Herculaneum, welches nur wenige Kilometer entfernt war und Pompeji erzählt, sowie grob von anderen Sehenswürdigkeiten in der Gegend.
Diesmal spendierte sie mir ungefragt eine Zigarette ...
... nach dem Essen. Konsequenz schien für sie irgendwie ein anderes Bedeutungsfeld zu haben.
"Na, nach so einem tollen Essen...", beantwortete sie meinen fragenden Blick. Sie sah sich mit stiller Begeisterung um. "Es ist echt toll hier, die Atmosphäre, das Essen, der Wein."
"Ja, ich liebe Italien."
"Und Archäologie."
"Und Archäologie."
"Und sonst nichts?"
"Wie? Ich verstehe nicht, was meinst du?"
Sie lächelte und spielte mit ihrem Feuerzeug.
"Professor Jones habe ich jetzt langsam kennengelernt, aber wer ist Tom?"
Ihre eigenartige Fragestellung verunsicherte mich, vor allem, weil ich glaubte zu verstehen, worauf sie hinauswollte. Und das eine Frage war, die ich mir selbst noch nie gestellt hatte. Nicht stellen wollte?
"Das ist gar nicht so einfach zu beantworten."
Meine Gedanken schwirrten aufgeregt herum, ohne greifbar oder formulierbar zu werden. Oder doch?
"Vielleicht... vielleicht gibt es da gar keinen so großen Unterschied. Die Arbeit ist meine große Liebe, meine Freude, meine Zuflucht. Da ist gar nicht so viel Platz für anderes, verstehst du? Klar, ich mag Musik, früher bin ich auch mal ins Theater... aber in letzter Zeit, weiß nicht, ich werde nicht jünger und oft... wie soll ich das sagen... du machst mich irgendwie immer konfus..."
Ihr schallendes Gelächter warf mich wieder aus der Bahn.
"Ich? Nee, glaube ich nicht. Der Dig ist dir unheimlich wichtig, nicht wahr?"
So abrupt dieser Themenwechsel auch kam, so dankbar war ich dafür, ...