1. Ausgrabungen


    Datum: 22.02.2023, Kategorien: Reif

    ... am Alkoholpegel im Körper nichts ändert und was passiert, wenn die neutralisierende Wirkung nachlässt.
    
    Oder an irgendetwas, was nach diesem Punkt geschah, da ich trotz oder gerade aufgrund aller chemisch induzierter Souveränität meinte, auf den beiden Beinen für den Rest der Nacht nicht nur stehen, sondern auch laufen, saufen, tanzen, springen, singen, ficken, lecken zu können, ohne einen Nachschlag zu benötigen.
    
    Also fehlte mir zunächst jedwede räumliche und zeitliche Orientierung, als mich eine vorwitzige Haarsträhne aus dem Schlaf kitzelte. Deren Besitzerin war mir allerdings nicht nur vertraut, sondern auch das Wichtigste in meiner sich zögerlich wieder zusammensetzenden Welt, die außer dem liebevoll grinsenden Gesicht zunächst nur aus Kopfschmerz bestehen zu schien.
    
    "Er lebt! Guten Morgen mein Schatz...", kam es sogleich und ein wunderbar zärtlicher Kuss auf meine Lippen ließ mich für Sekunden bereits allen Schmerz dieser Welt vergessen.
    
    "Perfekt. Guten Morgen...", tönte es von der anderen Seite und ein durchaus ebenfalls bekanntes Gesicht schloss sich den küssenden Morgengrüßen an.
    
    Nun setzte doch so etwas wie kohärente Wahrnehmung mit Wiedererkennen ein, die fremde Umgebung war unser Zimmer im Haus von Antonias Eltern, die offenbar bei uns mit im Bett gelandet war. Ich schloss für einen Moment wieder die Augen und versuchte mich krampfhaft zu erinnern, wie wir dorthin gekommen waren, aber da war nichts, völliger Filmriss.
    
    "Eh, rühr dich, unsere ...
    ... Gäste sind erwacht", redete Antonia in die andere Richtung auf Italienisch, und bekam von da eine brummelnde Rückmeldung Massimos. Dass er irgendwann im Laufe der Nacht zu uns gestoßen war, daran konnte ich mich durchaus noch erinnern. Und dass er auch nicht ganz unschuldig an meinem jetzigen Zustand war, denn gebechert hatten hauptsächlich wir beide.
    
    Einem Zustand, dem auch er durchaus ausgesetzt schien. Antonias Weckversuche lösten jedenfalls lediglich eine Kette von feinsten italienischen Flüchen, inklusive dem mir zuvor unbekannten
    
    "vai a farti fottere"
    
    (wörtlich: geh und lass dich ficken, oder verfick dich), aus. Antonias Reaktion darauf wurde von einem dumpfen Plumps begleitet, erneut von der verblüffenden gleichen Wellenlänge zeugend, die Lenny am Vorabend so treffend ausgemacht und zelebriert hatte.
    
    Da Massimo auch neben dem Bett durchaus nicht aktiver wurde, hatten die beiden fröhlichen und kichernden Schwestern im Geiste ein Einsehen und überließen uns den Raum und unserem Schmerz. Brachten uns einige Zeit darauf Frühstück, mit einem Katergetränk, das nach und nach eine erstaunliche und vollkommene Wirkung zeigte und von dem ich mir sicher auch die Rezeptur besorgt hätte, wenn das nicht mein spontaner Schwur, nie wieder einen Tropfen Alkohol anzurühren, überflüssig erscheinen ließ.
    
    Ich erfuhr, dass es bereits vier Uhr nachmittags war und wir somit einen Tag des Wochenendes verschlafen hatten und wenig darauf, dass meine Einschätzung bezüglich der ...
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