1. Ausgrabungen


    Datum: 22.02.2023, Kategorien: Reif

    ... geliebte Tochter sich in einen Mann verliebt hatte, der sogar noch mehr als zehn Jahre älter als sie selbst war.
    
    Und reagierte auf diese mit Unverständnis, Vorwürfen und einer verletzenden vorgefertigten Meinung, die Lenny so auf die Palme und in Verzweiflung brachte, weil sie weder Verstehen noch Akzeptanz auch nur als Möglichkeit erscheinen ließ. Sie weinte noch lange in meinem Arm, bebte und zitterte, wehrte sich gegen die Angst, die immer engere werdende Bindung zu mir mit einem Verlust der zu ihrer Mutter zahlen zu müssen.
    
    Und doch war es genau dieser Augenblick, in dem ich nicht mehr tun konnte, als ihr die Tränen zu trocknen, sie zu halten, zu trösten, sie mit all der Liebe zu überfluten, der ich fähig war, der uns noch fester zusammenschweißte.
    
    Die Gewissheit erzeugte, dass nichts und niemand uns auseinanderreißen konnte, das zarte Pflänzchen, was in der fruchtbaren Erde des Vesuvs gewachsen war, weiterwachsen würde, bis es allen Firnessen der Natur und Menschen trotzen konnte, auch die Verpflanzung in den Alltag unserer Heimat überstehen.
    
    Entlud sich alles in Minuten der Zärtlichkeit, die sich zur Leidenschaft steigerte und darüber hinaus. Erlebten wir ein extremes Gefühl körperlicher Liebe und völliger Hingabe an den anderen und den Moment, einen Augenblick unfassbarer und ungläubiger Verzückung, der alles sprengte, alles auflöste, uns wie in unweigerlicher Konsequenz einen ersten gemeinsamen Orgasmus erleben ließ. Fassungslosigkeit über die Tiefe des ...
    ... Gefühls, der Reinheit, der Stille, des schieren Glücks, das mit Tränen aus uns hervorbrach, uns noch mehr vereinte, uns einhüllte, wie ein schützender Kokon.
    
    Alles beruhigte sich wieder, einfach auch weil unsere Tage weiterhin so voll von Gefühlen und Erfahrungen waren, wir den anderen immer noch mehr und noch tiefer kennenlernten und sich nun doch langsam der Fokus wieder verschob. Anfang September hatten wir unser Wandbild freigelegt. Ich werde nie die Fassungslosigkeit vergessen, die uns in diesem Prozess begleitete. Wie hätte es aber anders sein können, ausgerechnet wir legten eine sehr graphische Darstellung einer römischen Zusammenkunft von der auch von uns nachgestellten Sorte frei. Eine auf den ersten Blick absolut laszive, lüsterne Szene, durch die Darstellung verpönter Praktiken und die Überzeichnung mancher Paare aber auch von einer Art augenzwinkerndem Humor beseelt.
    
    Doch das war nicht das Außergewöhnlichste daran, denn mitten in diesem Clash der Leiber sah man ein Paar, einfach nur in zärtlicher, liebevoller Umarmung, wie ein Fels in der Brandung, führte diese anmutige Natürlichkeit das lüsterne Chaos um sie herum völlig ad absurdum. Die Art der Anordnung und Komposition sorgte dafür, dass man zunächst nur das schrille Außen des Bilds erfasste, bis sich der wahre Mittelpunkt in genau diesem Paar dem Betrachter erschloss.
    
    Massimo brachte Antonia zu seiner ersten Besichtigung mit, es war trotz unserer vorherigen Absprachen tatsächlich das erste Mal, dass wir ...
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