Ausgrabungen
Datum: 22.02.2023,
Kategorien:
Reif
... uns seit Capri wiedersahen. Beide folgten den vom Künstler vorprogrammierten Weg hinab in die Tiefe des Bildes, und erstarrten mit der gleichen Ehrfurcht vor dem schieren Genius, wie wir sie ebenfalls empfunden hatten. Es war eine Sensation. Und wir hatten sie freigelegt.
Es sollte nicht die letzte gewesen sein.
Natürlich schrie dies nach einer Feier, die wir in unserem Stamm-Restaurant begannen. Obwohl unser Strahlen, ob dieses ersten riesigen Erfolgs unserer Bemühungen wohl ansteckend war und auch gerade Massimo den ganzen Abend nicht aufhören konnte, uns zu beglückwünschen und insbesondere meinen von den Ausgrabungen armen geschundenen Rücken durch Klopfen zu malträtieren, bemerkten wir doch schnell, dass trotz ihrer aufrichtigen und offensichtlichen Freude für uns und unserem Erfolg etwas die beiden bedrückte.
Massimo hatte viel von seiner Souveränität eingebüßt, wirkte nachdenklich und abwesend in Momenten, wo er sich unbeobachtet fühlte. Es war ein eigenartiges Gefühl, weil eigentlich waren wir uns ja auf Capri extrem nahegekommen, verstanden uns als Freunde und doch wagten wir nicht nachzufragen.
Trotz dieser eigenartigen unterschwelligen Spannung wurde es ein schöner Abend, mit reichlich Wein, wobei sich Massimo natürlich als Fahrer zurückhalten musste, Antonia hingegen es gar etwas übertrieb. Die beiden Frauen verschwanden dann irgendwann auf der Toilette, und da Massimo wieder ein wenig in sich zusammensackte, nutzte ich diese Gelegenheit ihn ...
... anzusprechen.
"Alles in Ordnung bei euch?"
Er sah plötzlich sehr müde aus. Mit einem etwas verunglückten Grinsen meinte er dann nur:
"Frauen."
Als sei damit alles gesagt.
"Habt ihr euch gezofft?", setzte ich nach, als er nichts weiter hinzufügte.
"Ja und nein. Es ist kompliziert. Sie macht es kompliziert, mit ihren scheiß Gefühlen. Ich kann es dir nicht richtig erklären. Es war alles so locker und klar, und jetzt fängt sie plötzlich an, alles in Frage zu stellen. Ist ihr plötzlich alles zu viel und alles nicht genug."
Ich glaubte gewisse Zusammenhänge erahnen zu können. Er seufzte tief und schaute mich dann unverwandt an.
"Wie kann Freiheit plötzlich nicht mehr genug sein, kannst du das verstehen?"
Es war eine rhetorische Frage, er erwartete keine Antwort. Ich hätte sie auch nicht mehr geben können, denn in diesem Moment kamen Antonia und Lenny zurück. Massimo sah mich noch eine Weile an, dann lange Antonia und gab sich dann einen Ruck.
"Wir müssen los. Sollen wir euch noch mit zu eurem Haus fahren?"
Wir hatten unser Auto vor unserer Wohnung abgeladen und waren das letzte Stück bei ihnen mitgefahren.
"Ehm... nee, lass mal, ist doch nur um die Ecke. Ein paar Schritte zur Verdauung tun uns sicher gut."
"In Ordnung, dann lass mich wenigstens zahlen."
"Nee, kommt nicht in Frage. Nach all dem was du und was ihr für uns getan habt, geht diese wie auch alle folgenden Rechnungen an uns. Wir sollten uns unbedingt noch treffen, noch sind wir ja eine Weile ...