1. Ausgrabungen


    Datum: 22.02.2023, Kategorien: Reif

    ... hier."
    
    "Ja, wir telefonieren."
    
    Antonia küsste mich freundschaftlich zum Abschied, aber auch ihr merkte man die Anspannung an. Sie wechselte noch ein paar schnelle Sätze auf Französisch mit Lenny, dann waren sie verschwunden.
    
    Wir wechselten einen vielsagenden Blick.
    
    "Hat sie dir erzählt, was los ist?"
    
    "Es kriselt, eventuell will sie sich von ihm trennen. Hat er dir nichts gesagt?"
    
    "Nur, dass es kompliziert ist und mit Freiheit zu tun hat."
    
    "Sie klagt, dass er sie gar nicht mehr wahrnimmt, gar nicht mehr mit ihr zusammen sein will, sich immer weiter von ihr entfernt und leidet darunter. Und er versteht nicht mal, was sie ihm damit sagen will."
    
    "Verstehe. Oder auch nicht. Besonders viel miteinander kommuniziert haben sie auch wirklich nicht, auf Capri zumindest nicht. Und allein gelassen hat er sie da ja nun die meiste Zeit auch."
    
    "Ja, es ist aber auch nicht erst seit gestern so. Sie will ihn nicht gleich verlassen, sondern ihm eine Chance geben, oder ihrer Beziehung noch eine Chance geben. Immerhin liebt sie ihn ja immer noch total."
    
    "Oh... Das ist wirklich... das tut mir für die beiden echt leid. Na ich hoffe, dass sie sich noch zusammenraufen können."
    
    Lenny nickte stumm, dann konnten wir zahlen und gehen. Irgendwie zog uns die Geschichte ganz schön runter. Wir gingen schweigend und nachdenklich nach Haus. Mir ging der Begriff der Freiheit nicht aus dem Sinn, auch wenn ich nicht genau festmachen konnte, wie er es genau gemeint hatte.
    
    "Es ...
    ... ist wie im Bild", meinte sie plötzlich in die Stille hinein.
    
    "Was meinst du?"
    
    "Wenn sich all das Spektakel auflöst und sich alles nur noch auf das reduziert, was zählt."
    
    Ja, das war es. Alle Puzzlestücke passten nun zusammen.
    
    14
    
    Die Zeit lief uns davon. Die letzten Meter waren schwieriger als alle zuvor. Giselle war nun ebenfalls am Schweben, ihre Gruppe hatte eine ganze Reihe von Statuen und Artefakten entdeckt, die sie nun vorsichtig und sorgsam freilegten. Da dies aber alle ihre Kräfte band, musste sie die beiden Studenten, die in den letzten Wochen ohnehin nur noch sporadisch zu unserer Unterstützung abgestellt worden waren, wieder vollständig für sich beanspruchen.
    
    Wir glichen das aus, in dem wir abends länger blieben und nun, Anfang Oktober opferten wir auch noch unsere Wochenenden zum größten Teil. Nachdem wir den Rest ohne weitere großartige Fund freigelegt hatten, fehlten uns jetzt nur noch die letzten Meter in der Halle mit der Wandmalerei.
    
    Es war ein kühler Samstagvormittag, es hatte in den frühen Morgenstunden etwas geregnet und wir entfernten vorsichtig die zum Schutz aufgespannten Planen, um an die Arbeit gehen zu können und wurden von dem Wasser, das sich darauf gesammelt hatte, ordentlich nass.
    
    "Eh, ich hab doch schon geduscht", schob ich ihr den schwarzen Peter dafür in die Schuhe. Darauf stieg sie allerdings nicht ein. Sie schlang ihre Arme um meinen Hals und küsste mich.
    
    "Langsam, junge Dame... wir..."
    
    "Doch, wir sind allein", ...
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