1. Puppenliebe


    Datum: 30.07.2023, Kategorien: Sonstige,

    ... Puppenkleidung angerufen!"
    
    "Sie sah mich einen kurzen Moment an, und es sah aus, als wenn sie in ihre Erinnerungen nach mir suchte. Nach ein paar Sekunden erhellte sich ihr Gesicht und sie legte ein schmales Lächeln auf die Lippen.
    
    "Ach sie sind das, ich hatte sie nicht so schnell erwartet. Es muss für sie ja ungemein wichtig sein, sonst würden sie eine alte Frau wie mich nicht um Rat fragen. Kommen sie doch herein!"
    
    Sie mache mir umständlich Platz, hielt sich dabei zusätzlich an der Tür fest und ich ging an ihr vorbei. Ich tauchte in eine andere Welt ein, wie ich sofort feststelle. Ein Geruch von Jahrhunderten drang in meine Nase ein und ich brauchte einen Moment, um mich an das Halbdunkel des Souterrains zu gewöhnen. Erstaunt blieb ich stehen, sah mich für einen Moment um, bis Frau Kringel die Tür geschossen hatte.
    
    Es war, wie ich es mir vor der Tür vorgestellt hatte. Ich betrat einen kleinen Raum, der wahrscheinlich zum Verkauf gedient hatte. Die gesamten Wände waren mit Regalen vollgestellt, auf denen Hunderte Puppen saßen und mich mit ihren Glasaugen ansahen. Große und Kleine saßen und standen auf den Brettern, waren für mich nach keinem System angeordnet. Nicht einmal das Alter war ein Anhaltspunkt. Die meisten Puppen waren alt, doch hier und war eine Neuere dazwischen, auch wenn sie optisch nicht passte. In der Mitte des Raumes standen vier kleine Sessel um einen runden Tisch herum. Seine Größe ließ darauf schließen, dass er dafür gebaut worden war, Tee ...
    ... oder Kaffee an ihm einzunehmen. Dies bestätigte sich, als Frau Kringel mich danach fragte.
    
    "Einen Tee Herr Bauer?", hörte ich sie mit ihrer typisch schleppenden Stimme und wendete mich ihr zu.
    
    "Gerne!", antwortete ich und sie nickte, schlurfte an mir vorbei und ich hörte sie in einem Nebenraum Wasser aufsetzten.
    
    Ich ging näher an die Regale heran, betrachtete einige der ausgestellten Stücke, sah sie mir genau an. Irgendwann Pfiff ein Wasserkessel und ich kam mir vor wie in einer anderen Zeit.
    
    "Alles meine Kinder!", hörte ich sie hinter mir und zuckte zusammen, weil ich sie nicht hatte, kommen gehört.
    
    Ich drehte mich zu ihr um, sah, wie sie ein silbernes Tablett auf den Tisch stellte, zwei Tassen und eine Kanne, sowie Zucker und Milch darauf platzierte.
    
    "Setzen sie sich doch!", forderte sie mich auf und ich ging zum Tisch, setzte mich und sah in einem der Sessel, von dem ich lediglich die Rückenlehne gesehen hatte, eine seltsame Puppe sitzen. Sie saß zusammengekrümmt darauf, hatte wenig Kleidung an. Was mich sofort an ihr faszinierte, war ihre Form. Der Kopf schien aus einem weißen Material gefertigt worden zu sein, wie aus Porzellan, genauso die überlangen Haare, die glatt herunterhingen. Sie hatte ein niedliches Gesicht, ohne Makel, in dem ihre großen, schwarzen Augen auffielen, halb geschlossen, mit langen Wimpern. Zu meiner Verwunderung war dieser Kopf wesentlich größer als der Puppenkörper, hatte die falsche Proportion zum Rest. Der Körper selber war ...
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