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Puppenliebe
Datum: 30.07.2023, Kategorien: Sonstige,
... nahm sie auf und hielt sie hoch, damit sie sich im Schrankspiegel sehen konnte. Prinzess jauchzte, als sie es sah, hörte sich wie ein kleines Kind an, dem man ein neues Spielzeug geschenkt hatte. Mit ihr zusammen stellte ich mich vor den Spiegel und wir sahen uns das Ergebnis an. Drehte ich sie langsam von einer Seite zur anderen, blinkte und blitze es im Licht meiner Nachttischlampe. "An dir sieht es tausend Mal besser aus als gedacht!", flüsterte ich ihr ins Ohr und sie bestätigte es mir. "Ja, viel schöner. Ich hätte niemals daran gedacht, ein so schönes Geschenk zu bekommen!" Ich blieb fünf Minuten vor dem Spiegel stehen und ließ Prinzess die Möglichkeit sich von jeder Seite aus zu betrachten. Sie nahm es mit großem Wohlwollen auf, erging sich in Lobeshymnen, die ehrlich klangen. Prinzess konnte sich kaum von ihrem Spiegelbild trennen, trotzdem musste es irgendwann sein. Ich nahm sie auf meinen Arm, ging mit ihr ins Wohnzimmer und setzte mich mit ihr auf das Sofa, machte den Fernseher an und legte ihren Kopf auf meinen Schoß. Hier streichelte ich gefühlvoll ihren Kopf, während ich mir eine Sendung ansah, die ich gerne sehen wollte. Eine Dokumentation, nichts Aufregendes. Für Prinzess war es egal. Bei mir zu sein, dabei gestreichelt werden, reichte ihr, um in Verzückung zu geraten. Sie gurrte leise vor sich hin und hätte sie es gekonnt, wäre ein Schnurren daraus geworden. Nach einer dreiviertel Stunde war die Sendung vorbei, weiteres sinnloses Umschalten ...
... brachte nichts mehr. Keine Sendung auf den anderen Programmen konnte mich fesseln. Immer dieselben Themen, Filme, die mich nicht interessierten. Wer sich diesen Schwachsinn ansah, hatte im Leben große Probleme oder wollte sich berieseln lassen, ohne nachdenken zu müssen, vielleicht auch beides zusammen. Ich schaltete aus, sah zu Prinzess herunter und betrachtete sie längere Zeit, während um uns herum Stille einzog. "Woran denkst du?", hauchte mir Prinzess zu und ich überlegte, kam zu keiner eindeutigen Antwort. "An nichts!", gab ich schließlich an und Prinzess kicherte leise. "Ich habe davon gehört, dass Männer das können!", meinte sie mit einer belustigten Stimme. "Man muss nicht immer und überall über die großen und kleinen Probleme der Welt nachdenken!", verteidigte ich mich und meine Geschlechtsgenossen. "Nein, muss man nicht, war kein Vorwurf von mir!" "Hab ich auch nicht so aufgefasst. Ich liebe es einfach mal ein paar Minuten nichts zu tun und damit meine ich wirklich nichts. Manche meinen, dass ich die Langeweile kultiviere, aber das ist Blödsinn. Ich nenne es geistiges Ausruhen, nicht mehr und nicht weniger!" "Warum auch nicht. Solange du mich dabei streichelst, kann es mir egal sein. Von mir aus kannst du solange geistig abwesend sein, wie du willst, wenn du mich dabei verwöhnst!", gab Prinzess ihren Senf dazu und ich lächelte sie an. "Gar nicht eigennützig oder?", fragte ich sie und bekam prompt die Antwort. "Ein gesunder Egoismus ist doch ...