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Blackout
Datum: 30.09.2023, Kategorien: Sonstige,
... den Untergang zu überleben. Satt und zufrieden und mit spanischem Rebensaft im Blut dämmerte er langsam weg. Die Welt konnte ihn mal. Als er wieder aufwachte, stand der Zeiger bei 16 Uhr und das Feuer im Ofen war wieder zur Glut geworden. Er nahm die leere Büchse und quetschte sie in den schon zu vollen Müllbeutel mit den anderen leeren Dosen, band ihn zu und musste ihn wohl oder übel nach draußen bringen, bevor der Geruch nach Müll sich in der Wohnung ausbreitete. Als er im Dämmerlicht dieses Novembertages von der Mülltonne zurück kam, blieb er plötzlich stehen und kniff die Augen zusammen. In der Einfahrt zum Hinterhof lag jemand. Roland drehte sich um und holte leise einen Spaten aus dem Schuppen. Wenn das hier ein perfider Hinterhalt war, dann konnten die was erleben. So leicht legten sie ihn nicht rein. Vorsichtig ging er auf die Person zu und sah nun ganz deutlich, dass es einer der Vermummten von vorhin war. Er lag mit dem Kopf nach unten auf dem gefrorenen Boden und eine kleine Blutlache hatte sich drumherum ausgebreitet. Vorsichtig stieß er den leblosen Körper mit dem Fuß an. Nichts rührte sich. Verdammt nochmal, fluchte er innerlich. Konnten diese Typen sich nicht ein anderes Plätzchen zum verrecken suchen? Mussten sie sich ausgerechnet seine Einfahrt aussuchen? Er ging um den Liegenden herum, kniete nieder und zog die Kapuze über den Kopf. Er erschrak so sehr, dass er das Gleichgewicht verlor und nach hinten über fiel. Er blickte ...
... in das elfenhafte Gesicht einer jungen Frau, die Haut blass und die Lippen blau. Er rappelte sich wieder hoch und fühlte sofort nach dem Puls. Schwach, aber vorhanden. Liegen lassen konnte er sie nicht, dann würde sie sterben bei der Kälte. Den Notarzt rufen ging auch nicht, da die Telefone nicht funktionierten. Also blieb nur eine Möglichkeit. Er rappelte sich auf und hievte sie über seine Schulter. Erstaunlicherweise wog sie fast nichts. Wie ein steinzeitlicher Jäger mit frischer Beute trug er sie in seine Höhle. Eigentlich müsste er sie jetzt in die stabile Seitenlage bringen, aber das schien ihm aufgrund der Kälte des Fußbodens ungeeignet. So legte er sie erstmal seitlich auf seine Couch. Dann rückte er die anderen Möbel so zurecht, dass die Couch gut vor dem Ofen Platz hatte und die Frau gewärmt wurde. Er hockte sich vor sie hin und betrachtete ihre Kopfwunde genauer. Es schien keine Platzwunde zu sein, sondern eher ein langer etwas tieferer Kratzer. Er ging ins Bad zum Medizinschrank und in die Küche und holte alle nötigen Utensilien. Mit einem feuchten Stück Küchenrolle wusch er erstmal den Schmutz aus der Wunde, besprühte sie dann mit Desinfektionsspray und klebte anschließend ein großes Pflaster darüber. Die Wunde verlief zum Glück direkt über die Stirn und nicht in den Haaren. Das wäre schwieriger geworden mit dem Verarzten. Dann zog er der Frau die schwarzen Stiefel aus und deckte sie mit einer Wolldecke zu. Inzwischen war die Glut im Ofen so ...