1. Der Club der jungen Dichterinnen 01


    Datum: 04.04.2024, Kategorien: Erotische Verbindungen,

    ... Haaren, einem lieben Gesicht und irgendwie eher unscheinbar. Wenn man sie sich in schicken Kleider, dezent geschminkt und in einer anderen Umgebung vorstellte, hätten sicher viele Männer erst mal den Kopf nach ihnen gedreht, aber auf mich wirkten sie sofort so, dass Männer bei ihnen keine Chance haben würden, aber vielleicht irgendwann einmal andere Frauen. Ob sie das selbst auch wussten?
    
    Dann entstand eine kleine Pause, Eva stand in der Tür und zögerte. Sie hatte ihre Hand so sachte auf dem Türknauf liegen, dass ich mich fragte, wie sie es wohl schaffen würde, mit diesem sanften Griff die Tür zu schließen. Ihr Blick irrte durchs Zimmer und blieb am Ende kurz auf mir ruhen, bis sie ihn senkte und eintrat. Junes hatte mich sofort als Fee bezeichnet und er hatte recht, ich hatte etwas Zartes, aber Eva war nicht nur zierlich und zart, sie strahlte eine unglaubliche Verletzbarkeit aus, wie ein Gefäß aus hauchdünnem Glas, das man sich kaum zu greifen traut. Ihr hellblondes Haar und die fast knabenhafte Figur taten ein übriges. Und doch spürte ich sofort eine besondere Kraft in ihr, eine Prinzessin der Elben aus Mittelerde.
    
    Ich bat alle ins große Zimmer und bot ihnen Platz an. Heidrun und Veronika nahmen sofort auf dem Sofa Platz, Ann-Kathrin schnappte sich den nächstbesten Stuhl und nur Sybilla und Eva zögerten noch.
    
    „Es ist egal wo, nehmt bitte Platz", versuchte ich den beiden bei der Wahl zu helfen und so setzte sich Sybilla auf den Stuhl neben dem Sofa und ich ließ ...
    ... mich daneben nieder. Jetzt blieb für Eva nur noch mein großer Lesesessel. Sie zögerte.
    
    „Äh, Entschuldigung, aber das ist der Stuhl von Frau Andermatt", kam es stockend aus ihr heraus.
    
    „Aber die ist doch gar nicht mehr bei uns, setz' dich doch bitte, der Sessel ist bequem -- fühl' dich wie zu Hause!"
    
    Dieser deutlichen Aufforderung konnte sie sich nicht widersetzen, aber es fiel ihr schwer. Als sie schließlich saß, konnte es endlich losgehen.
    
    „So, bevor wir uns an die Bücher und ans Lesen machen, nehmt ihr euch jetzt erst mal einen Tee und stärkt euch an den Leckereien -- die wurden extra für uns hierher gebracht. Und dabei dürft ihr mir dann gerne erzählen, wie die AG bisher abgelaufen ist und was ihr euch für die wenigen Monate wünscht, die uns noch bleiben."
    
    Zum Glück gab es Ann-Kathrin, sie griff beherzt zu und brach für die anderen das Eis. Erst scheu und zurückhaltend, aber dann doch immer offener tranken sie den Tee, knabberten Kekse und begannen zu erzählen. Sie berichteten von den Werken, die sie bisher gelesen hatten und dass meine Vorgängerin darauf bestanden hatte, dass sie sich von den alten Meistern langsam in die Neuzeit durch arbeiteten. Es klang leider eher nach Kampf, was die fünf berichteten -- ein Wunder, dass sie die AG nicht längst verlassen hatten. Aber als sie dann von ihrer letzten Lektüre sprachen, leuchteten die Augen und auch mir tat es gut, sie so euphorisch von Hesse reden zu hören. Sie hatten den Siddhartha gelesen und erzählten dann, ...
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