1. Offen 01


    Datum: 07.04.2024, Kategorien: Sonstige,

    ... sanft. Ich sprach es nicht aus, aber mir wurde klar, dass sie sich nicht nur so gefühlt hatte. Wir liebten sie, beide, und wenn das Gefühl sich vielleicht auch in Nuancen von meinem Gefühl für Nina und dem für Anne unterschied, Liebe war es allemal.
    
    Auch wenn Nina beim Eintreffen in ihrer Wohnung mitteilte, dass sie sich schön abschminken sollte, dass sich auch weiterhin nur alles um sie drehen würde, war sie selbstverständlich in der folgenden Woche der Mittelpunkt. Nur im Bett tatsächlich nicht mehr ausschließlich.
    
    Die beiden redeten in meiner Abwesenheit sehr viel miteinander und Larissa erzählte Nina nun von ihren Selbstmordversuchen. Öffnete sich ihr, aber auch mir gegenüber immer weiter. Wir lernten in diesen Tagen wirklich Larissa kennen, die immer mehr auf Sprüche und Schauspielkunst verzichtete, uns immer weiter an sie heranließ.
    
    Natürlich war ihr wie uns klar, dass dies nur ein Anfang war, die Revitalisierung eines viel längeren und in Stocken geratenen Prozesses. Sie vertraute sich folgerichtig weiter professioneller Hilfe an, setzte ihre Therapiestunden von einmal vierzehntägig auf zweimal wöchentlich herauf. Sie wollte und musste an sich arbeiten, dabei konnten sie andere lediglich unterstützen, abnehmen konnte ihr das niemand.
    
    Am Freitag arbeitete ich nur einen halben Tag, da mein Zug am Nachmittag ging und die beiden fuhren mich in meine Wohnung, halfen mir sogar beim Packen, weil wir insgesamt etwas spät dran waren. Larissas Sehnsucht wurde nur zu ...
    ... offensichtlich, als sie Luises Spielzeug, aber auch Fotos von ihr in Augenschein nahm.
    
    Ich nahm sie prompt noch einmal in den Arm und drückte sie ganz fest an mich, bevor wir weiter packten und die beiden mich zum Bahnhof fuhren. Mir war völlig klar, dass ich nicht nur Nina in den folgenden zwei Wochen vermissen würde. Larissa war mir wirklich ans Herz gewachsen.
    
    Auch in den Tagen bei Nina, gab es immer wieder Momente, wo uns die Stärke des Gefühls füreinander verunsicherte, gab es Momente, wo ich mich ernsthaft fragte, ob sich das wirklich immer noch alles im freundschaftlichen Rahmen bewegte.
    
    Wir sprachen einmal kurz mit Nina darüber, die diesmal ganz ruhig erwiderte, wir sollten uns gefälligst beide vom Schubladendenken entfernen und freuen, dass wir so viel füreinander empfinden. Sie verblüffte mich immer wieder, denn das war kein Spruch, sie meinte das so. Ich bezweifelte, dass Anne das ähnlich locker aufnehmen würde.
    
    Mich beschäftigen Nina und Larissa gedanklich deutlich mehr als der bevorstehende Urlaub zu Beginn der Zugfahrt. Erst als ein gesperrter Streckenabschnitt unsere Fahrt zunächst zu einem unerwarteten Halt brachte und daraufhin dann eine Umleitung, die ein Zurückfahren zu einer bereits passierten Stadt und Ausweichen auf eine andere Route nach sich zog, wurde meine Aufmerksamkeit mehr darauf fokussiert.
    
    Ich hätte ansonsten einen zweistündigen Aufenthalt in München gehabt, nun wurde es deutlich knapper, ohne weitere Verzögerungen wurde uns eine ...
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