1. Offen 01


    Datum: 07.04.2024, Kategorien: Sonstige,

    ... ich allerdings noch nie", gab ich zurück. "Vier Wochen klingt herrlich. Bei mir reicht es leider nur zu zwei Wochen Kroatien in diesem Jahr, aber darauf freue ich mich auch schon. Allerdings erst Ende Juli, also muss ich mich noch etwas quälen."
    
    "Ja, vier Wochen, Sonne, Meer und endlich wieder die Seele baumeln lassen. Und genießen, richtig unbeschwert genießen", gab sie mit träumerischem Blick bekannt.
    
    "Fahren Sie mit Ihrer Familie?"
    
    "Nein, allein, ich bin Single", erklärte sie. Und mit einem verschmitzten Grinsen. "Dort... bleibt man allerdings nicht lang allein. Vielleicht ein Grund, warum ich so gerne dort bin."
    
    Sie errötete leicht, als ich sie wissend anlächelte.
    
    "Verständlich. Nicht ganz so verständlich, warum eine so bildschöne Frau wie Sie noch Single ist", gab ich zurück, mich im gleichen Atemzug über mich selbst wundernd. Nun gut, etwas übertrieben vielleicht schon, hübsch war sie, bildschön... gut, das liegt wohl im Auge des Betrachters.
    
    "Danke für das Kompliment. Nun... ich bin ein Workaholic, ich gebe es offen zu. Ich liebe meine Arbeit, ich bin schon fast zehn Jahre in der Firma, habe sie praktisch mit aufgebaut. Da bleibt nicht viel Zeit für anderes, außer im Urlaub halt. Da hole ich dann so einiges nach, was ich mir sonst versage. Ich bin mit dieser Regelung nicht unzufrieden", meinte sie, wobei ich den Eindruck hatte, dass sie sich den letzten Satz eher selbst einreden wollte.
    
    Sie winkte den Kellner heran, um zu ...
    ... zahlen.
    
    "Geht natürlich auf uns", beantwortete sie meinen fragenden Blick. "Und Sie? Mit der Familie? Sie sind verheiratet?"
    
    "Genau, seitdem wir die Ehe offen führen, sogar wieder glücklich. Wir haben eine Tochter, die ist sechs", gab ich gedankenlos zurück. Erst ihr verblüffter Gesichtsausdruck machte mir klar, was ich ihr da gerade so en passant mitgeteilt hatte. Verflucht, das war jetzt aber peinlich.
    
    "Sorry, das war wohl ein büschen zu viel Info, ist mir so rausgerutscht", warf ich schnell nach und spürte, wie mir das Blut in den Kopf schoss.
    
    "Wir sind doch beide in der Informationsbranche, zu viel Info gibt es nicht", entgegnete sie mit einem feinen Lächeln und widmete sich dann dem Kellner samt Rechnung.
    
    Trotzdem fiel es mir nach diesem Fauxpas etwas schwerer, unbefangen mit ihr umzugehen und war eigentlich froh, als wir wieder in ihrem nun wirklich überwarmen Büro saßen und uns der Arbeit widmeten, die nur durch gelegentliche Rauchpausen unterbrochen wurde.
    
    Mir schwirrte ordentlich der Kopf. Aber nicht nur von der Fülle der Informationen, die auf mich einströmte. Wir sahen uns beide länger und intensiver an, als das passend und angemessen erschien.
    
    "Das ist dann allerdings Stoff für morgen. Oh Gott, es ist schon wieder halb sieben, so lange wollte ich Sie eigentlich nicht quälen. Wir haben auch schon einiges gemacht, was für morgen auf der Agenda stand... das tut mir wirklich leid... wenn ich einmal richtig in Rage komme, kann ich mich irgendwie nicht ...
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