1. Offen 01


    Datum: 07.04.2024, Kategorien: Sonstige,

    ... Ich war mit Kochen dran und hätte eigentlich schon vor einer halben Stunde damit anfangen müssen. Ich bot an, stattdessen etwas auf dem Nachhauseweg mitzubringen.
    
    Anne war echt angefressen, hielt sich aber zurück, bis das Kind im Bett war.
    
    "Denkst du bei all deinen neuen Eroberungen und Freundinnen bitte noch dran, dass du eine Familie hast?", kam als Antwort auf die Frage, ob sie immer noch sauer sei.
    
    "Ja, verdammt, ich hab mich doch entschuldigt. Wir haben einfach stundenlang geredet und die Zeit drüber vergessen."
    
    Dass sie auch oft zu spät nachhause kam und mich meist dann per Telefon informierte, wenn ich mit dem Kochen praktisch schon fertig war, hätte ich früher sicher als Gegenargument gebracht. Ich wollte aber nicht mit ihr streiten und fühlte mich tatsächlich etwas schuldig.
    
    "Worüber redet ihr denn so viel? Über uns doch wohl hoffentlich nicht."
    
    "Über alles Mögliche, Musik, Essen, Literatur, aber auch über Beziehungen. Mach doch nicht so einen Aufstand. Ich werde mir übrigens einen Controller bestellen und wieder mit dem Mixen anfangen. Über Ebay, also wird es nicht sehr teuer werden. Naja, einen vernünftigen Kopfhörer brauche ich auch noch."
    
    "Wozu das? Willst du ernsthaft wieder auftreten?"
    
    "Weiß nicht, vielleicht. Eine Anfrage für eine Privatparty kam schon."
    
    Anne schüttelte den Kopf.
    
    "Komm, die paar Kröten tun uns nicht weh. Ich vermisse es einfach, das war mal ein wichtiger Bestandteil meines Lebens."
    
    "Das ist es nicht, darum ...
    ... geht es nicht. Du entfernst dich von mir, von uns, merkst du das überhaupt nicht? Auch wenn wir jetzt öfter Sex haben, du denkst doch nur noch an dich selbst und deine Sachen, und..."
    
    "Hör auf, jetzt reichts. Du bist doch ständig unterwegs, Klettern, Sprachcafé und was weiß ich noch alles. Das ist auch völlig in Ordnung, du machst die Sachen, die dir Spaß machen und wichtig sind, und ich mache meine. Das muss in einer funktionierenden Beziehung doch möglich sein, ohne dass wir uns das gegenseitig vorwerfen. Was willst du denn? Dass ich so unglücklich bin, wie vorher, bevor wir mit der Therapie angefangen und die offene Regelung eingeführt haben? Ich bin zum ersten Mal seit langer Zeit zufrieden, habe das Gefühl wieder am Leben teilzunehmen, als Person, nicht nur als Funktionsträger, oder in einer Rolle. Wenn du mehr Freiräume brauchst, sag es, ich passe gerne abends auf das Kind auf, wenn du dich mit Freundinnen oder Kolleginnen treffen willst, oder dir einen oder mehrere weitere Sexualpartner suchst."
    
    Sie starrte vor sich hin und antwortete nicht mehr. Überzeugt hatte ich sie sicher nicht. Da nichts mehr kam, verzog ich mich auf den Balkon, um runterzukommen. Nun, völlig falsch hatte sie auch nicht gelegen. Ich dachte sicher mehr an mich, an Sex mit anderen und vor allem an Nina in letzter Zeit. Anne und Luise empfand ich mehr als Verpflichtungen, Alltag, Stress.
    
    Richtig war das sicher nicht, die Balance zwischen dem Familienleben und meinen eigenen Geschichten noch ...
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