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Offen 01
Datum: 07.04.2024, Kategorien: Sonstige,
... mich richtig angefreundet, mit Andreas, einem schwulen Mann Anfang Vierzig und Lisa, einer recht witzigen Frau Mitte Zwanzig. Sie hatte ebenfalls Probleme in ihrer Beziehung und wir tauschten uns regelmäßig über unsere Schwierigkeiten aus. Sie war allerdings nicht mein Typ und das beruhte wohl auf Gegenseitigkeit, so dass es wirklich nur dabei blieb, uns gegenseitig unser Leid zu klagen und eben gemeinsam einmal monatlich in den Club zu gehen. Sie mit ihrem Freund, wenn sie sich gerade nicht gezofft hatten und ich allein, beziehungsweise mit Andreas und wen auch immer er dorthin mitschleppte. Von seinem eigenen Freund hatte er sich gerade getrennt. Meine sonstigen Freunde lebten anderswo, da ich für Anne aus meiner Heimatstadt nach Berlin gezogen war, weil sie sich nicht von ihrer Familie, die ihr extrem wichtig war, trennen konnte und wollte. Außer diesen beiden Kollegen hatte ich keine Freundschaften geschlossen, ganz einfach, weil sich keine Gelegenheit ergab. Ich war nicht der Typ, der in Kneipen ging, oder sich in Cafés setzte, oder im Park Gespräche mit Fremden anfing, wenn es sich nicht gerade so ergab, weil sie eben auch Eltern waren, die mit ihren Kindern dort waren. Die baggert man dann allerdings eher nicht an. Ich war mit mir und meinem Aussehen nicht unzufrieden, sicher kein Blickfang im Alltag, da ich eine Brille trug, nicht gerade groß war und auch wenig Wert auf meine äußere Erscheinung legte. Wozu auch, ich war ja offiziell vom Markt gewesen. ...
... In den Urlauben mit meiner Frau hatte ich allerdings schon festgestellt, dass sich die eine oder andere Frau schon mal länger blickmäßig mit mir beschäftigte und im Club war das genauso. Dort trug ich Kontaktlinsen wie auch körperbetonte Klamotten und hatte nicht nur von Andreas beim ersten Mal ein verblüfftes "Wow" erhalten. Für Anfang Vierzig ging ich ohne weiteres noch durch, mein Körper war immer noch recht ansehnlich. Auch deshalb waren mir diese Nächte so wichtig gewesen, mal abgesehen davon, dass ich Tanzen und nicht zuletzt die Pillen, die ich dort einwarf, liebte und beides sehr vermisst hatte, zumal sich Anne aus beidem nichts machte. Ich hätte das ohnehin nicht mit ihr teilen wollen. Dies waren meine Nächte, meine Erlebnisse, meine kurzen Ego-Trips, mein Balsam auf meiner wunden Seele. Die Bestätigung, dass ich noch als Person und nicht nur als Rolle und Funktion existierte, denn das kam mir manchmal so vor. Nur uns und wir, kein ich mehr. Und jetzt, relative Freiheit. Ein offener Horizont. Was würde ich daraus machen? --- Ich erzählte Lisa von dem Gespräch und sie beglückwünschte mich nicht ganz ohne Neid zu meinem Erfolg. Ihr Freund war extrem eifersüchtig und viele ihrer Streite hingen damit zusammen, dass er ihr nicht über den Weg traute und Affären andichtete, die sie nicht hatte. Vielleicht war es gerade deshalb, dass sie kurze Zeit später tatsächlich fremd ging. Im Grunde hatte sich ja nicht viel geändert, ich hatte Möglichkeiten, aber die ...