1. Offen 01


    Datum: 07.04.2024, Kategorien: Sonstige,

    ... nichts mehr als diese wünscht. Nein, das stimmt auch nicht ganz. Mein größter Wunsch war ein anderer. Er wird sich nicht erfüllen."
    
    "Du musst da vorne abbiegen, bei der Tankstelle. Was war das für ein Wunsch?"
    
    "Was du hast. Ein Kind. Als ich zweiundzwanzig war, wurde ich schwanger. Ich habe es abgetrieben, weil es mit meinen Karriereplänen kollidierte. Mit sechsundzwanzig dann noch einmal, das habe ich im dritten Monat verloren. Die Ärzte haben mir dann erklärt, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass ich tatsächlich ein Kind erfolgreich austragen könnte. Eine Folge der Abtreibung."
    
    "Au, verflucht, das muss schlimm für dich gewesen sein."
    
    Sie nickte.
    
    "Wie schlimm, kannst du dir nicht vorstellen. Ich... ich habe zwei Selbstmordversuche hinter mir. Beim zweiten Mal hätte es fast geklappt. Das wissen übrigens nicht einmal Flo und Nina, schon, dass ich das Kind verloren habe und ein halbes Jahr in stationärer Behandlung war, aber nicht genau warum. Vielleicht erzähle ich es doch irgendwann, aber es wäre mir lieb, wenn sie das von mir hören, okay?"
    
    "Natürlich. Da vorne kannst du parken, vor der Kneipe. Es gibt doch aber Alternativen, Adoption, Leihmutter, so etwas?"
    
    "Ja, die gibt es, daran hatte ich damals in meiner Verzweiflung nicht gedacht. Gedacht hatte ich gar nicht, da war nur dieser mörderische Schmerz, den ich nicht ertragen konnte. Alleine könnte ich sowas aber nicht durchziehen und ich habe schon lange niemanden mehr nahe genug an mich herangelassen, ...
    ... um überhaupt an so etwas denken zu können. Mein damaliger Partner war tatsächlich meine letzte echte Beziehung, die ist natürlich durch die Geschichte in die Brüche gegangen."
    
    Ich nahm ihre Hand und schaute sie fest an.
    
    "Ich wünsche dir aus vollem Herzen, dass du jemanden findest, mit dem du das wagen kannst und wirst. Wollen wir noch weiterreden? Du kannst gerne mit raufkommen."
    
    "Nein, ein andermal. Wir können uns gerne auf einen Kaffee oder ein Bier treffen, wenn du willst."
    
    "Gerne. Aber Vorsicht, so fing das mit Nina auch an."
    
    Sie lachte fröhlich.
    
    "An Selbstbewusstsein mangelt es dir nicht, wa? Ich teile gern, aber ich nehme niemanden etwas weg, das geht gegen meine Natur. Das heißt nicht, dass ich nicht auch mal auf die Idee kommen könnte, eine Nacht mit dir alleine zu verbringen. Nina hätte da nichts gegen, bei ihr ist diese Offenheit keine Show, sie ist wirklich so. Darum liebe ich sie so, darum bist du auch gut für sie, trotz der ganzen komplizierten Hintergrundgeschichte und des möglichen Dramas, das euch da noch ins Haus stehen könnte. Wirst du deiner Frau erzählen, was passiert ist?"
    
    "Ja, auch wenn das richtig zur Krise führen kann. Dass wir offen und ehrlich miteinander umgehen, ist das, was diese Ehe noch am Leben erhält und das Kind natürlich. Dass ich im Begriff war, mich in Nina zu verlieben, hatte ich allerdings bis jetzt noch nicht erzählt, wir haben ja versucht, vorsichtig zu sein. Obwohl uns wohl beiden klar war, dass es nur eine Frage ...
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