1. Offen 01


    Datum: 07.04.2024, Kategorien: Sonstige,

    ... dich doch um, wo sollte ich ihn hier wohl unterbringen?", maulte Nina, da der Tonfall etwas vorwurfsvoll klang.
    
    "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", kam Giselas Replik.
    
    "Frau und Kind sind unterwegs?", befragte mich Nina, ohne weiter auf ihre Mutter einzugehen.
    
    Also hatte sie ihrer Mutter wohl die ganze Geschichte erzählt. Das verblüffte mich etwas, insbesondere, weil ihre Mutter überhaupt kein Problem damit zu haben schien.
    
    "Jo, hat alles wunderbar geklappt. Du hast Gisela von unserer Situation erzählt?", fragte ich vorsichtig, nur um sicherzustellen, dass mich nicht etwa als normalen Freund vorgestellt hatte und ich im Verlaufe des Gesprächs in Fettnäpfchen herumtappte.
    
    "Die ach so moderne Polyamorie? Natürlich hat sie das. Keine neuzeitliche Erfindung, wie ihr zu glauben scheint, das wir haben in den Siebzigern als Erbe der wilden Sechziger durchaus auch so zelebriert. Da nannten wir es aber noch
    
    freie Liebe
    
    ."
    
    "Mama hat eine bewegte Jugend mit einem Leben in einer Kommune hinter sich. Erst mein Vater hat sie dem Acid, ständigem Gruppensex und möglichen terroristischen Aktivitäten entwöhnt."
    
    "Ich habe dir tausendmal gesagt, dass ich nur eine Sympathisantin war, aber nie den bewaffneten Kampf gesucht habe", gab Gisela lächelnd zurück. "Das mit dem Sex und dem LSD stimmt. Das vermisse ich heute noch."
    
    Was für eine abgefahrene Frau. Sie war mir sofort sympathisch. Es war kein Wunder, dass Nina so offen war.
    
    "Oh, mit Acid habe ich auch sehr ...
    ... gute Erfahrungen gemacht, allerdings ein Jahrzehnt später. Politisch aktiv war ich damals auch, an der Uni hauptsächlich, im Spartakus." "Endlich, ein Mann mit Gesinnung und Format. Kein Vergleich zu dem bourgeoisen Rübezahl, den du dir da vorher angelacht hattest. Viva la Revolution!"
    
    Jetzt brachen Nina und ich gleichzeitig in Gelächter aus. Es wurde ein witziger Nachmittag, bis sich Gisela verabschiedete.
    
    "Ich will doch meiner liebsten Tochter den besten Sex ihres Lebens nicht länger vorenthalten", meinte sie mit gewinnendem Lächeln. "Aber es bleibt dabei: Kommt uns unbedingt in der Provinz besuchen. Wenn ihr drankommt, könnt ihr uns gerne ein paar Pappen mitbringen. Für Stefan wäre es zwar Verschwendung, aber wir würden richtig Spaß haben."
    
    "Mama! Soweit kommt's noch. Mir reicht noch das Weihnachten, wo du Papa davon was ins Glas getan hattest."
    
    "Wieso, das war doch lustig. Egal, amüsiert euch ihr zwei. Das Leben ist kurz, carpe diem."
    
    Sie drückte mich noch fest zum Abschied und gab mir einen schmatzenden Kuss auf die Wange.
    
    "Der ist dafür, dass ich mein Kind zum ersten Mal richtig glücklich erleben durfte. Ciao bello."
    
    Wir gingen gemeinsam in die Küche, um die reichlichen Reste des Brunchs wegzuräumen.
    
    "Deine Mutter ist echt hammerhart drauf. Ich habe noch nie so viel bei einer Erstvorstellung von Elternteilen gelacht. Hat sie deinen Vater echt mit Acid gespiked?"
    
    "Und wie. Der Arme wusste gar nicht wie ihm geschah und hat im Weihnachtsoratorium ...
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