Bewährung
Datum: 13.04.2024,
Kategorien:
Romantisch
... ein Dach über dem Kopf und eine Matratze."
"Na, ein bisschen mehr schon. Um die Mietsicherheit und den Wohngeldantrag usw. musst du dir keine Gedanken machen, mein Kumpel ist da sehr flexibel und geduldig. Die Wohnung ist nebenbei günstig genug, dass du sie mit einem nicht so gut bezahlten Job später dann selbst finanzieren kannst. Gibt es an der Front schon etwas Neues?"
"Nein, leider nicht."
"Es ist im Moment natürlich schwierig, ist mir klar. Ich höre mich um, vielleicht haben wir auch da Glück."
"Danke. Dass du das alles tust."
"Das ist schließlich mein Job", gab ich zurück.
War es natürlich nicht, beziehungsweise nicht in diesem Ausmaß. Und so sehr hatte ich mich noch nie für einen Probanden engagiert. Ich verstand Jochen aber langsam. Sie hatte irgendetwas an sich, was diesen Reflex auslöste, sich um sie zu sorgen und ihr unbedingt helfen zu wollen. Persönlich zu werden.
"Gut, hast du ausgetrunken? Dann sollten wir langsam. Ich hoffe, dir macht das Fahren auf meiner Maschine nichts aus?"
"Nein, ist toll. Als ich achtzehn war, hatte ich einen Freund, der hatte auch ein Motorrad, aber kein so großes. Er hat mich sogar mal fahren lassen. Ich habe aber keinen Führerschein."
"Na, das würde ich dir nicht gestatten. Ich geh kurz rein, zahlen, das geht dann schneller."
Vor der Haustür des allerdings ziemlich heruntergekommen aussehenden Hauses stand ein kleiner Pritschenwagen, an dem ein langhaariger junger Mann gerade die Plane schloss. Logen war ...
... tatsächlich mit Auto gekommen und parkte daneben.
Er sprang, beziehungsweise quetschte sich aus seinem Auto, als er mich erkannte.
"Das passt ja. Abnahme und Übergabe sind erledigt, wir können gleich hoch", begrüßte er uns.
Und sah sich Sophie für meinen Geschmack zu lange und anzüglich an. Alter Schwerenöter. Wir folgten ihm in den dritten Stock des vierstöckigen Hauses. Es roch modrig und nach Kohl. Überall an den Wänden des Treppenhauses war Graffiti, bei den Geländern fehlten einige der gedrechselten Streben, oder waren durch Besenstile ersetzt.
Gute Güte. Wohl wieder eines dieser Häuser, das er für 'n Appel und 'n Ei gekriegt hatte. Auch die Wohnungstüre war mit Graffiti beschmiert.
"Wie geht's deinem Kollegen?", erkundigte er sich, als er die Tür aufschloss.
"Ganz schlecht. Er liegt im Koma. Wird daraus wohl nicht mehr aufwachen."
"Du Scheiße. Dreckskrankheit. Okay. Dann schaut euch um. Ist ja recht übersichtlich."
Das stimmte. Eine kleine Küche, wo tatsächlich noch ein verpekter Zwei-Platten-Herd und eine Spüle, sowie ein Hänge- und ein Unterschrank drin waren. Ein kleines Bad, mit einer Badewanne, aber keinem Waschbecken und einer Kloschüssel, die wie alles andere schrecklich dreckig und versifft aussah.
Das Zimmer selbst war eigentlich ganz schön, aber auch hier waren die Wände beschmiert, auf der längsten Wand prangte groß das Wort "Fuck" im Graffiti-Stil. Die Ursache des modrigen Geruchs hier war schnell auszumachen. An der Decke und der ...