Argonauta Kapitel 03-07
Datum: 02.04.2025,
Kategorien:
Romane und Kurzromane,
... hielt inne. Lauschte. Dann hörte sie das Rascheln der Decke und zwei dumpfe Schläge, die nur von Florians Füßen stammen konnten, die den Boden berührten. Er war aufgestanden. Schritte waren zu hören, die sich rasch näherten.
Jetzt aber schnell, dachte Julia. Es war ihr egal, ob Florian sie jetzt hörte oder nicht, Hauptsache, dass sie so schnell wie möglich weg käme. Sie drückte die Klinke, die Tür schwang auf und sie schlüpfte ins einsame Treppenhaus. Hinter ihr fiel die Wohnungstür laut knallend zu und Julia rannte los. Panikartig hastete sie die Stufen hinab, nahm mehrere Stufen auf einmal. Sie stolperte, als sie eine Stufe verpasste. Drohte, das Gleichgewicht zu verlieren, griff gerade noch rechtzeitig geistesgegenwärtig das Treppengeländer und wandte den drohenden Genickbruch noch einmal ab. Sie fing sich wieder, taumelte die letzten Stufen nach unten und rannte dann nach draußen ins Freie. Auf dem Bürgersteig herrschte bereits reges Treiben, sodass sie sich in die willkommene Menge der Anonymität mischen konnte. Sie rannte weiter, quetschte sich durch die Menschenmassen als befürchtete sie, von Florian verfolgt zu werden. Jagte immer weiter kopflos durch die Stadt, dass ihre Lungen brannten. Julia wusste nicht, wohin sie lief und es war ihr auch vollkommen gleichgültig. Wichtig war nur, möglichst viel Distanz zu gewinnen und diesen Mann für immer aus ihrem Leben zu verbannen.
Ihr Herz raste als sie endlich stehen blieb. Kräftig pochte es in sich beinahe ...
... überschlagendem Rhythmus gegen ihren Brustkorb. Sie keuchte und rang nach Atem. Julia lehnte sich gegen eine Hauswand und kämpfte mit der Übelkeit, die ganz langsam ihre Speiseröhre nach oben kroch. Mehrere Minuten lang brauchte sie, bis sich ihr Zustand wieder halbwegs normalisiert hatte. Orientierungslos blickte sie sich um.
Wo zum Teufel bin ich?
Quälend langsam setzte ihr Verstand wieder ein und Julia begriff allmählich, dass es keine so gute Idee gewesen war, ohne ein bestimmtes Ziel durch eine ihr vollkommen fremde Stadt zu hetzen. Panisch schaute sie nach irgendeinem Ankerpunkt, einem markanten Platz, Schild, Schaufenster ... irgendetwas, das ihr verraten konnte, wo sie war und wie sie zu ihrer Wohnung geraten würde.
Ein Bus fuhr an ihr vorbei. Die Linie kam ihr bekannt vor, denn sie hielt nur wenige Meter von ihrer Haustür entfernt. Doch fuhr sie auch in die richtige Richtung? Julia hatte keine Ahnung und ohnehin hatte sie in ihrem Geldbeutel nicht mehr genug Kleingeld, um sich ein Ticket zu kaufen. Sie dachte an ihr Smartphone. Hoffnungsvoll zog sie es aus ihrer Hosentasche, doch der Akku war leer.
„Verdammte Scheiße!", fluchte sie laut und einige Leute drehten sich kopfschüttelnd zu ihr um. Julia bezweifelte, dass die Leute wirklich Deutsch verstanden, doch der Tonfall von obszönen Flüchen war international verständlich. Julia lief rot an, peinlich berührt und ärgerlich über sich selbst. Ihr blieb keine Wahl. Sie beschloss, zu Fuß dem Bus zu folgen und sich von ...