-
Erregung
Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif
... spürte das kalte Wasser, das warme Wasser, das heiße Wasser. Aber es wusch nichts weg. Nicht wirklich. Nicht in mir. Es war noch da. Die Nässe. Der Geruch. Der Gedanke. Das Bild. Handtuchhalter Ich wusste nicht, ob ich es wollte, als ich das Seidentuch in der Hand hielt, es war eines dieser Tücher, das man nicht besitzt, sondern das einfach da ist, irgendwo in einem Korb, auf einem Stuhl, unter einem Kissen, ein Tuch, das immer nur wartet, gebraucht zu werden, nicht um den Hals, nicht gegen Kälte, sondern gegen Ordnung, gegen Vernunft, gegen das, was den Körper bändigt, ein Tuch, das verlangt, sich zu spannen, und ich hielt es, und sie sah es, und sie sagte nichts, Claudia, sie sagte nichts, sie hob nur die Arme, wie eine Tänzerin, wie eine Geopferte, wie eine, die längst beschlossen hat, dass es nicht mehr um Entscheidung geht, sondern nur noch um Durchführung, um Geste, um Haltung, sie hob die Arme, und ich band sie, ich band sie mit diesem Seidentuch, lose, aber spürbar, ich band sie an diesen weißen Handtuchtrockner, diesen elektrischen, diesen fast eleganten, diesen absurd ästhetischen Heizkörper, der aussah wie ein Turngerät, wie eine Reckstange, wie ein Ausstellungsstück aus einer perversen Turnhalle, ich band sie daran, und sie ließ es geschehen, nicht weil sie mir vertraute, sondern weil sie mir die Verantwortung gab, weil sie mir sagte, ohne zu sprechen:Tu es. Ich bleibe. Ich wusste, dass es falsch war, oder richtig, ich wusste, dass es geladen war, ich ...
... wusste, dass ich in dem Moment, in dem ich den zweiten Knoten schloss, Beate sah, nicht wie sie war, sondern wie sie endete, mit dem Schal, mit dem Stoff, mit der Schleife, die niemand recht beschreiben wollte, aber jeder verstand, und ich dachte, warum gerade dort, warum gerade im Bad, warum gerade an so einem Trockner, warum an etwas, das weiß ist, das glänzt, das harmlos aussieht, und doch eine Bühne ist, eine Struktur, ein Gerüst, ein Galgen, wenn man ihn so benutzt, und ich dachte, Claudia weiß das, natürlich weiß sie das, sie kannte Beate, sie kannte das Bild, vielleicht war sie dort, vielleicht war sie die Erste, vielleicht sah sie die Schleife noch, den Körper, die Haltung, die Füße, und jetzt war sie es, die dort stand, die gebunden war, die sich fesseln ließ, mit den gleichen Tüchern, an der gleichen Konstruktion, als wäre es eine Wiederholung, ein Spiel, ein Rückruf, ein Widerstand, eine Form von Trauerarbeit, die durch den Körper geht. Ich trat zurück. Ich sah sie an. Sie war nackt. Die Arme über dem Kopf. Die Füße leicht gespreizt. Der Rücken gerade. Der Blick gesenkt. Aber nicht unterworfen. Nie unterworfen. Sie war nicht Beate. Aber sie war nicht frei von ihr. Ich war nicht frei von ihr. Ich sah Claudia an und dachte:Du bist da, wo Beate endete. Und du forderst mich auf, weiterzugehen. Ich trat näher. Ich roch sie. Nicht Schweiß. Nicht Angst. Nicht Erregung. Etwas Dazwischen. Ein Geruch, der mehr sagte ...