1. Erregung


    Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif

    ... der Mann im Nebenzimmer schlief, so wie damals, als er angeblich auf Dienstreise war, aber doch im selben Haus.
    
    Ich hätte sie auf den Bauch drehen können, sie von hinten nehmen, wie sie es mochte, wie sie es verlangte, wenn sie betrunken war. Ich hätte in ihr sein können, tief, kräftig, rhythmisch, bis sie mich mit den Händen umklammerte und mir ins Ohr keuchte: „Bleib so - bleib so - bleib so..."
    
    Aber ich tat es nicht. Ich saß. Ich trank. Ich blickte auf sie wie auf ein altes Bild, das man einmal geliebt hat und nun kaum noch erkennt. Ich spürte nichts als Müdigkeit - nicht einmal mehr Ekel, nur Müdigkeit.
    
    Und vielleicht, dachte ich, ist das das Schlimmste: wenn selbst der Ekel einem nicht mehr bleibt. Wenn selbst die Erinnerung stumpf wird wie ein zu oft benutztes Messer. Wenn selbst die Frauen, die man einst begehrt hat, nur noch Möbelstücke sind, mit roten Kissen, orientalischem Muster und dem Geruch von Staub.
    
    Es war, ich erinnere mich genau, in jener zweiten oder dritten Nacht, die ich mit Claudia verbrachte, irgendwann zwischen drei und vier Uhr früh, das Fenster offen, die Jalousien halb gesenkt, das Licht gedämpft, als sie sich plötzlich auf den Bauch drehte, wortlos, ganz selbstverständlich, als hätte sie das schon viele Male so getan, nur nicht mit mir, und mit dieser geübten, beinahe theatralischen Bewegung ihr Becken anhob, ihren Hintern mir entgegenstreckte, einladend, herausfordernd, unmissverständlich.
    
    Ich verstand es zuerst nicht, oder besser: ...
    ... ich verstand es falsch.
    
    Ich dachte, sie wollte, dass ich sie von hinten nahm, ja, auf die klassische, auf die sogenannte „Hündchen"-Art, wie man das nennt, ohne viel Romantik, direkt, tierisch, wie man es bei Pornodrehorten sah, in jenen billigen Clips, die ich damals, aus bloßer Langeweile, manchmal ansah.
    
    Ich kniete mich also hinter sie, fasste sie an der Hüfte, spürte ihre Wärme, ihren Geruch, dieses unverkennbare Parfum gemischt mit Körper, und ich war schon halb in ihr, als sie sich plötzlich halb umdrehte, den Kopf in die Matratze gepresst, und sagte, fast tonlos, fast beiläufig, aber messerscharf: „Nein... weiter unten."
    
    Ich hielt inne.
    
    Verstand nicht.
    
    Dann verstand ich.
    
    Und mir wurde heiß, nicht vor Lust, sondern vor dieser Mischung aus Scham und Erregung, die nur entsteht, wenn man etwas zum ersten Mal tut, was man sich selbst nie zugetraut hätte.
    
    Ich war verblüfft.
    
    Verwirrt.
    
    Aber nicht abgestoßen - noch nicht.
    
    Denn sie war es ja, die es wollte.
    
    Sie, die so kultivierte, so wortgewandte Claudia, die mit Ravel und Camus kokettierte, mit Mahler und Thomas Mann, die immer einen Satz parat hatte über Dostojewski, aber nie einen über ihre Ehe, über ihren Mann, diesen Kulturbeamten, diesen leeren Träger eines bedeutungslosen Titels.
    
    „Er tut das nicht", hatte sie gesagt, später, im Halbschlaf, wie ein Geständnis, „er hat Angst vor... solchen Dingen."
    
    Ich will gar nicht darauf eingehen, dass dieses „weiter unten" eigentlich falsch war, ...
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