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Alkebulan
Datum: 05.03.2026, Kategorien: Sonstige,
... mit einem Unglauben im Gesicht, andere zur Todesangst erstarrt. Männer, Frauen, Kinder, Junge und Alte. Die Wucht des Ekels übermannte sie und sie erbrach sich heftig. Langsam realisierte sie das Geschehen. Sie hatte davon sonst nur gehört. Die Männer auf den Jeeps waren Terroristen. Sie überfielen Dörfer und mordeten wahllos. Sie wusste, dass sie in Mali aktiv waren, aber dass sie sich jetzt auch über die Grenze nach Senegal trauten, das war neu. Das hier war ein Massaker. Das hier würde Folgen haben. Nun bemerkte sie auch die Stille. Totenstill war es. Sie blickte sich weiter um, hielt Ausschau nach Überlebenden, aber niemand regte sich. Nicht einmal Hundegebell oder das Gackern von Hühnern war zu hören. Sie rappelte sich schwerfällig hoch, langsam, damit ihr nicht allzu schwindelig wurde. Wie viel Zeit vergangen war, wusste sie nicht. Da vernahm sie ein leises Stöhnen. Es schien aus Richtung der LKW zu kommen. Vorsichtig bahnte sie sich einen Weg durch die Leichen. Als sie näher kam, sah sie die zersplitterte Windschutzscheibe und den toten Fahrer. Sie lauschte nochmal. "Hhl"... Es kam anscheinend von der Ladefläche. Sie erschrak, als sie den Mann erblickte. Nicht, weil er wie die meisten auf dem Platz blutüberströmt war, sondern weil er kein Afrikaner war. Er war ein Weißer. Damit hatte sie nicht gerechnet. In diese Gegend verirrte sich so gut wie nie so jemand. "Hlp" stöhnte er wieder. "Ja", sagte sie hastig und mit Tränen in den Augen. "Ich helfe dir. Wo ...
... bist du verletzt? Tut es sehr weh? Wir müssen die Blutungen stoppen. ..." Sie fragte noch weitere Sachen, doch irgendwann begriff sie, dass er sie gar nicht verstand. Logisch. Welcher Fremde kannte schon die Sprache der Toucouleur. Und selbst wenn er sie verstanden hätte, er verlor in dem Moment das Bewusstsein. Sie kletterte auf die Ladefläche und suchte ihn nach Wunden ab. Erleichtert stellte sie fest, dass der Mann anscheinend nur zwei Streifschüsse abbekommen hatte. Einen am Oberarm und einen an der Hüfte. Er hatte richtig Glück gehabt. Doch ohne Hilfe könnte er trotzdem noch sterben. Kurzentschlossen holte sie ihren Handwagen und wuchtete diesen großen Mann darauf. Der Weg war beschwerlich. Der Mann war eindeutig schwerer als die Hirse heute Morgen und es ging zurück auch leicht bergauf. Die Sonne stand am frühen Nachmittag immer noch hoch und trieb ihr den Schweiß aus dem Körper. Mit letzter Kraft erreichte sie die Gemeinschaft und sank dann zu Boden. Verschwommen sah sie die Frauen, hörte die Kakophonie ihrer Diskussionen. Angst und Ratlosigkeit waren auf den Gesichtern zu sehen. Eine harte Stimme ertönte und die Menge verstummte. Bringt Khadija schnell hinein, aber der weiße Mann gehört hier nicht her. Er bleibt draußen!" So trugen sie nur die erschöpfte Khadija durch das Tor und verschlossen es wieder hinter sich. Auf dem Weg zur Heilerin vernahm sie plötzlich eine brüchige Stimme. Mariama. Die Älteste im Bunde. Sie beugte sich über Khadija und streichelte ...