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Alkebulan
Datum: 05.03.2026, Kategorien: Sonstige,
... ihr den Kopf. "Mein Kind. Was ist dir widerfahren?" Khadija starrte sie fiebrig an. "Helft dem Mann. Helft ihm. Er stirbt sonst. Er darf nicht sterben!" Dann drehten ihre Augen ins Weiße und sie verlor erneut das Bewusstsein. Schweißgebadet schreckte sie aus einem Albtraum hoch, sah sich keuchend um und sank erschöpft wieder auf ihr schmales Kopfkissen. Fatou saß am Bett, hielt ihre Hand und beruhigte sie sanft. "Ruhig, Khadija. Alles ist gut, du bist in Sicherheit." Sie gab ihr einen Schluck zu trinken und tupfte mit einen feuchten Lappen ihre Stirn. Ihre Augen waren wieder geschlossen. "Es war so schrecklich", flüsterte sie, "so viel Blut..." Ihre beste Freundin nickte und hatte Tränen in den Augen. "Oh meine Liebe, ich bin so froh, dass du noch am Leben bist", schluchzte sie und fasste ihre Hand noch fester. "Was ist mit dem Mann?", fragte sie leise. "Lebt er?" Keine Antwort. Khadija öffnete wieder ihre Augen. Verwundert sah sie Fatou an, die nur den Blick gesenkt hatte und schwieg. "Was ist los?" "Nichts, ich....", sie stockte, "ich hole Ndeye. Sie will unbedingt mit dir sprechen. Khadija. Ich glaube du hast einen Fehler gemacht." Damit löste sie ihre Hände und ging davon. Khadija verstand überhaupt nichts. Einige Minuten später betrat Ndeye die Hütte. Die stämmige Frau war das Oberhaupt ihrer Gemeinschaft. Ihre straff zum Zopf gebundenen Rasterlocken gaben ihr ein strenges Aussehen. Und sie wirkte jetzt in der Tat sehr wütend. "Ich sehe, du lebst", begrüßte ...
... sie sie kühl. Khadija wollte gerade antworten, aber Ndeye schnitt ihr das Wort ab. "Was um der heiligen Mutter Willen hast du dir dabei gedacht?" zischte sie. Khadija sah sie entgeistert an und verstand immer noch nichts. "Wobei?" "Du hast einen Mann in unsere Gemeinschaft gebracht! Und nicht nur das. Er ist auch noch ein Fremder. Ein Weißer." Sie spuckte das Wort förmlich aus. Nun erst wurde Khadija bewusst, dass sie gegen eine ihrer heiligsten Regeln verstoßen hat. Die Gemeinschaft, das war ein Ort, wo nur Frauen lebten. Es gab sie schon seit vielen Jahren und entstanden ist sie aus eben dem Grund, den sie heute zu ersten Mal selbst am eigenen Leib erfahren hat. Aus der ungezügelten und brutalen Gewalt der Männer, die alles Menschliche zerstörte. Mariama hat die Gemeinschaft gegründet. Hier im sicheren Senegal, an der unmittelbaren Grenze zu Mali. Die 27 Frauen gehörten alle der Ethnie der Toucouleur an und stammten aus einem weiten Umkreis. Hauptsächlich aber aus Mali, aus dem sie hierher geflüchtet waren. Seitdem die Gemeinschaft existierte, hat nie auch nur ein Mann sie betreten. Sie lebten ein einfaches, aber dafür friedliches Leben. Bis jetzt... "Lebt er noch, oder habt ihr ihn sterben lassen?" fragte Khadija. "Er lebt noch. Aber das haben wir nur Manriama zu verdanken. Ich verstehe sie nicht. Sie war immer die Strengste, was diese Regel betrifft. Und nun, ausgerechnet jetzt zeigt sie Milde? Ich denke, es ist so, weil sie schon so alt ist. Das ist nicht gut." ...