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Jeder Anfang ist der Anfang von einem Ende. © Walter Ludin
Datum: 25.03.2026, Kategorien: Sonstige,
... sich gegen diesen Gedanken, tief in ihr wusste sie, dass er nichts mit dem Kind, für sie war es ihr Kind, kein Fötus oder etwas anderes, zu tun haben darf. Bei diesem Gedanken wurde ihr erneut übel. Eine Welle von Übelkeit überrollte sie, stärker als zuvor. Sie rannte schnell ins Bad, um sich zu übergeben. Die körperliche Reaktion ihres Körpers war ein ständiger, unerbittlicher Beweis für das Leben, das in ihr wuchs, und für das Chaos, das es in ihr und um sie herum verursachte. Ihre Gefühle waren ein einziger Wirrwarr aus Wut, Abscheu, Schuld und einer tiefen, unerträglichen Traurigkeit. Die Unsicherheit, ob sie Michael von der Schwangerschaft erzählen musste, nagte dennoch an ihr. Es war schließlich sein Kind. Doch der Gedanke, ihm diesen Anspruch zu geben, nachdem er ihr so viel Leid angetan hatte, war unerträglich. Sie schloss die Augen, versuchte, nein, sie musste diesen Gedanken unterdrücken, aber war es eventuell doch vergeblich. Die Zukunft war ein dunkler, undurchdringlicher Schleier, und sie hatte keine Ahnung, wie sie ihn lüften sollte. Tülay Die Worte des Arztes hallten in meinem Kopf wider, wie ein Echo in einem leeren Raum, immer und immer wieder. "Ein Knick im Eileiter. Und bei Herrn Aydin... zu wenige und nicht ausreichend qualitative Spermien." Jahre. Ganze Jahre des Hoffens, des Bangens, des Versuchens. Arztbesuche, die nach Krankenhaus rochen, nach Desinfektionsmittel und nach dem bitteren Beigeschmack unerfüllter Träume. Gespräche mit Michael, ...
... die anfangs noch von Zuversicht sprühten, dann immer leiser wurden, bis nur noch ein resigniertes Schweigen übrigblieb. Es war unser gemeinsames Schicksal gewesen, unsere gemeinsame Last, die wir getragen hatten. Wir konnten keine Kinder bekommen. Und ich hatte es geglaubt. Ich hatte es glauben müssen, um die Leere zu ertragen, die sich in mir ausgebreitet hatte. Und jetzt das. Die Türklingel riss mich aus meiner Starre. Zwei Polizisten standen vor der Tür. Polizisten. Bei uns. Mein Herz schlug einen wilden Rhythmus gegen meine Rippen. Was wollten die Polizisten von uns? Meine Gedanken rasten. Hatte Michael etwas getan? Irgendeine Kleinigkeit, die er vergessen hatte zu erwähnen? Aber nichts Ernstes, doch nicht die Polizei. Ich griff nach meinem Handy und wählte Bülents Nummer. Meine Finger zitterten leicht. Ich musste ihm das erzählen, er musste wissen, dass die Polizei nach Michael suchte. Er war doch Fatmas Mann, er sollte wissen, was hier los war. "Bülent, die Polizei ist hier," platzte es aus mir heraus, kaum dass er abgehoben hatte. "Sie suchen Michael. Weißt du, warum?" Ich spürte, wie sich eine seltsame Kälte in mir ausbreitete, als ich das sagte. Am anderen Ende der Leitung war Stille, eine lange, schmerzhafte Stille. Dann kam Bülents Stimme, belegt, fast ein Flüstern, und doch durchdrang sie jeden Zentimeter meines Körpers, obwohl nur das Telefon zwischen uns war. Ich saß allein in unserem Wohnzimmer, die Abendsonne warf lange Schatten durchs Fenster, aber ...