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Jeder Anfang ist der Anfang von einem Ende. © Walter Ludin
Datum: 25.03.2026, Kategorien: Sonstige,
... verabscheute. Und Bülent? Bülent würde eher auf mich einschlagen, mich in Stücke reißen, als mir auch nur ein Wort zuzuhören. Mir blieb nur Fatma. Nur sie konnte mich verstehen. Ihre Güte, ihr Verzeihen. Sie hatte mir eine Weile zugehört. Ihre Stimme war kühl gewesen, fern, aber sie hatte zugehört. Ich hatte mein Herz ausgeschüttet, hatte immer wieder gesagt, dass ich es nicht so gewollt hatte. Dass es ein Fehler war. Ein schrecklicher Fehler. Dann hatte sie einfach aufgelegt. Einfach so. Kein Wort mehr. Nur ein Klicken. Ich war völlig durcheinander. Ich lehnte meinen Kopf an die kalte Wand, die meine einzige Gesellschaft war. Und in diesem Moment wurde mir klar, was für ein Blödmann ich doch war. Ein riesengroßer Blödmann. Ich hatte mir erzählen lassen, dass diese Pillen eine Frau geil machen würden, so dass sie die ganze Nacht gefickt werden will. Von willenlos war nie die Rede. Nie. Aber ich war so besessen gewesen von diesem Beweis. Jetzt war ich bereit, mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Wirklich. Ich würde alles erzählen, jedes Detail. Hauptsache, sie glaubten mir, dass ich nicht beabsichtigt hatte, sie zu vergewaltigen. Dass es mir wirklich leidtut. Das tue ich. Es tut mir unendlich leid, was ich Fatma angetan habe. Ich schloss die Augen und sah ihr Gesicht vor mir. Ihre Augen, in denen ich früher so viel Freundlichkeit gesehen hatte. Jetzt sah ich nur noch Schrecken, Leere. Und dieses Kind. Ihr Kind. Mein Kind. Das war der wahre Albtraum. Dieses Kind ...
... würde sie immer an mich erinnern. An die Nacht. An die Hölle, die ich ihr bereitet hatte. Mein Blick auf mich selbst und meine Taten war jetzt... einigermaßen realistisch, denke ich. Ich war ein Idiot. Ein verzweifelter Idiot. Und ich hatte das Leben aller zerstört. Meines, Tülays, Fatmas, Bülents, der Kinder. Alles. Einfach alles. Und ich saß hier, allein, mit dem Wissen, dass mein verletzter Stolz, meine dumme Angeberei, zu so etwas geführt hatte. Ich hatte gedacht, ich könnte es beweisen. Jetzt hatte ich bewiesen, dass ich ein Monster war. Und das war die größte Strafe von allen. Fatma Die Decke war zu schwer, die Luft im Zimmer stickig, und doch fror ich bis auf die Knochen. Jede Faser meines Körpers schmerzte, nicht von körperlicher Anstrengung, sondern von der Last, die auf meiner Seele lag. Mein geliebter Ehemann. Bülent. Ich hatte ihn vor den Kopf gestoßen, und das wegen dieses Kindes. Des Kindes von Michael, meinem Vergewaltiger. Ein Stich der Reue durchfuhr mich, schärfer als jedes körperliche Leid. Wie konnte ich ihn nur so verletzen? Er, der mir doch verzeihen wollte, der mit mir neu anfangen wollte. Dann klingelte das Telefon. Michael. Seine Stimme war brüchig, von Tränen erstickt. Er weinte, schwor und beteuerte, dass er nicht gewusst hatte, dass die Droge mich willenlos machen würde. Er habe gedacht, sie mache mich nur lockerer, geiler. Mir wurde übel bei seinen Worten. Er wollte sich beweisen, dieser schwache, elende Mann, und hat dafür mein Leben ...