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Jeder Anfang ist der Anfang von einem Ende. © Walter Ludin
Datum: 25.03.2026, Kategorien: Sonstige,
... zerstört. Das Leben meiner Familie. Und doch... ich hörte ihm zu. Ich hörte ihm zu, dem Mann, der mir das angetan hatte, und spürte eine seltsame, verstörende Leere in mir. Ein Gedanke schoss mir durch den Kopf, kalt und scharf wie ein Messer: Wenn Bülent das hören würde. Wenn er es auch nur irgendwie mitbekäme, dass ich mit Michael telefoniert hatte, dass ich ihm zugehört hatte... Er würde mir meine Kinder wegnehmen. Zu Recht. Weil er befürchten müsste, dass ich diesem Arsch nachgeben könnte. Dass mein weiches Herz mich zu einer Tat treiben würde, die ich niemals begehen würde. Ich würde Michael niemals verzeihen, nicht für das, was er getan hat. Ich würde ihn niemals in die Nähe meiner Kinder lassen. Aber die bloße Tatsache, dass ich ihm zugehört hatte, dass ich seine Beteuerungen innerlich abgewogen hatte, zeigte mir: Ich war nicht zurechnungsfähig. Ich konnte mir selbst in diesem Augenblick nicht trauen. Die totale Verwirrung fraß an mir. Ich spürte, wie meine Gedanken sich überschlugen, wie ein wild gewordener Kreisel. Ohne Bülent war ich nichts. Ich war nur ein Häufchen Elend, das in den Trümmern ihres Lebens saß. Seine bloße Anwesenheit, die Gewissheit, dass er da war, für mich da war, hatte mir immer so viel Kraft gegeben. Ich hatte es gewusst, ja, aber nie so richtig wahrgenommen, wie essenziell seine Stärke für mich war. Er war mein Anker, mein Fels, meine sichere Bank in dieser chaotischen Welt. Und jetzt? Die Vorstellung, ohne ihn klarkommen zu müssen, ...
... zerfetzte mich innerlich. Und dann war da dieses Kind. Dieses kleine, unschuldige Wesen in meinem Bauch. Ich liebte es. Warum, wusste ich nicht. Es gab keinen logischen Grund. Eigentlich könnte ich es genauso gut hassen, denn es zerstörte mein ganzes Leben. Es war der lebende Beweis des Grauens, das Michael mir angetan hatte. Auch wenn es nichts dafür konnte, seine Anwesenheit, sein Wachsen in mir, genügte, um mich in einen Abgrund der Verzweiflung zu ziehen. Doch tief, ganz tief in meinem Inneren, spürte ich eine unerschütterliche Liebe, einen Drang, es zu beschützen, für es da zu sein. Es war ein Teil von mir, egal, wie es entstanden war. Der Arzt hatte gesagt, ich solle meine Termine wahrnehmen und keines auslassen. In den nächsten Tagen müsste ich wieder hin. Aber so ohne Bülent? Der Gedanke war unerträglich. Ich war kurz vor einer Depression, oder vielleicht war ich sogar schon mittendrin. Die Dunkelheit legte sich wie ein schwerer Schleier über alles. Aber ich konnte nicht zulassen, dass die Dunkelheit mich verschlang. Bülent hatte es mir immer vorgelebt, hatte mir immer wieder gezeigt, wie man handelt, wie man Lösungen findet, egal wie aussichtslos die Situation schien. Ich musste handeln. Aktiv werden. Ich konnte nicht zulassen, dass mich diese Ohnmacht zerfraß. Ich musste einen Weg finden, um mit diesem inneren Kampf, mit diesen vielen Eindrücken und der überwältigenden Trauer klarzukommen. Ich ging ins Bett, ohne Bülent an meiner Seite. Ohne die Sicherheit, ...