1. Jeder Anfang ist der Anfang von einem Ende. © Walter Ludin


    Datum: 25.03.2026, Kategorien: Sonstige,

    ... ihn zukünftig immer bei mir zu haben. Die Matratze war kalt, das Kissen roch nicht nach ihm. Die Leere neben mir war ein schmerzhaftes Symbol für die Leere, die sich in meinem Leben aufgetan hatte. Die Entscheidung für das Kind, die tief aus meinem Inneren kam, war ein einsamer Weg, den ich gehen musste. Aber ich würde ihn gehen. Ich musste. Für meine Kinder, für mich. Und vielleicht, irgendwann, auch wieder für uns, für Bülent und mich.
    
    Der nächste Morgen
    
    Die Nacht war ein einziges, undurchdringliches Dunkel gewesen, gesprenkelt von fragmentierten Alpträumen und dem dröhnenden Echo der unausgesprochenen Worte. Fatma hatte kaum ein Auge zugemacht. Jedes Mal, wenn sie zu schlummern drohte, zerrten Michaels Gesicht, Bülents Blick oder das unsichtbare, aber so präsente Wesen in ihrem Bauch sie zurück in die schlaflose Realität. Die Stille im Bett neben ihr, wo Bülent nicht lag, war ein ohrenbetäubender Schrei der Einsamkeit.
    
    Um kurz nach acht wählte sie wie ferngesteuert die Nummer ihrer Frauenärztin. Ihre Stimme klang dünn und fremd in ihren eigenen Ohren, als sie um einen dringenden Termin bat. Ein Wunder. Jemand hatte abgesagt, und Fatma konnte noch am selben Tag kommen. Es war ein kleines Fünkchen Hoffnung in der überwältigenden Dunkelheit, ein Zeichen, dass sie nicht völlig verloren war. Während sie sich fertig machte, traf sie eine Entscheidung.
    
    Eine feste, unumstößliche Entscheidung, die sich wie eine kalte Flamme in ihr ausbreitete. Sie würde kämpfen. ...
    ... Kämpfen für ihre Familie, für ihre Ehe, für ihr Leben. Sie würde regelkonforme Mittel einsetzen, ja, aber auch nicht-regelkonforme, wenn es sein musste. Sie konnte auf so vieles nicht verzichten, und das Wichtigste war Bülent. Und ihre Kinder.
    
    Sie wählte seine Nummer, ihre Finger zitterten nicht mehr. Ohne ihn zu Wort kommen zu lassen, presste sie die Worte heraus. "Ich muss dich unbedingt sprechen, Bülent. Um 15 Uhr im Café gegenüber der Arztpraxis. Keine Widerrede. Ich lege jetzt auf." Sie wartete keine Antwort ab, beendete das Gespräch abrupt. Ihre Entschlossenheit war eine Rüstung, die sie vor den Zweifeln und Ängsten schützte, die sie sonst zu verschlingen drohten.
    
    Das Wiedersehen im Café
    
    Das Café roch nach frisch gebrühtem Kaffee und einer Spur von Zimt, eine alltägliche, fast tröstliche Atmosphäre, die im krassen Gegensatz zu dem Tumult in Fatmas Innerem stand. Sie sah Bülent schon von weitem, an einem kleinen Tisch am Fenster. Sein Blick war auf die Straße gerichtet, seine Schultern leicht gesenkt, eine Aura der Müdigkeit umgab ihn. Er sah so verletzt aus, und ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen.
    
    Sie ging auf ihn zu, und er hob den Kopf. Seine Augen trafen ihre, voll von einem Wirrwarr aus Schmerz, Resignation und einer Spur von Sehnsucht, die sie fast nicht zu deuten wagte. Er nickte ihr zu, ein kurzes, fast unmerkliches Nicken, ohne sich ihr zu nähern. Eine Distanz, die sie sonst zerreißen würde. Doch heute nicht. Fatma ging einfach darüber hinweg.
    
    Sie ...
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